Dieser Text ist eine Reaktion auf den Aufruf Insurrection Days - 2012 auf de.indymedia.org. Ein weiterer Kommentar zu diesem Aufruf findet sich unter anderem auch auf linksunten.indymedia.org.
Der ursprüngliche Aufruf bezieht sich zwar zum Teil spezifisch auf die SItuation in Berlin bzw. d-land, der folgende Kommentar spricht allerdings viele wichtige Punkte in der Debatte um den Begriff des Aufstands an. Zwar ist der Begriff begrüßenswerterweise in letzter Zeit vor allem in anarchistischen / autonomen Diskussionen wieder vermehrt aufgetaucht, hat durch die Ereignisse vor allem in arabischen Ländern sogar in den Mainstream-Diskurs Einzug gehalten. Nicht selten bleibt das Bild dazu allerdings beschränkt auf brennende Autos und Straßenschlachten, und das nicht etwa nur in kommerziellen Medien, sondern auch in den Köpfen vieler "politisch Aktiver". Weder wo ein Aufstand hinführen könnte, noch wie die Bedingungen geschaffen werden können, um sein Aufkeimen zu begünstigen, wird ausreichend diskutiert. Es scheint, als wäre in der Vorstellung vieler ein "erfolgreicher" Aktionstag mit ein paar ritaulhaft ausgeführten Handlungen die beste, vielleicht einzige Vorbereitung für eine aufständische SItuation. Wenn dann alle Aktivist_innen (abzüglich derer, die vielleicht erstmal in einer Zelle gelandet sind) am Ende wieder beim Bier sitzen und sich zu ihren geglückten Aktionen beglückwünschen, fragt wieder niemensch, warum eigentlich der ganze Rest der Stadt immer noch kein Interesse zeigt, an irgend einem Aufstand mitzumachen. Lieber wird dann mit einem Seufzer noch einmal die passive Masse beschworen und sich selbst auf die Schulter geklopft: Irgendwer muss ja etwas tun.
Der folgende Text liefert viele Anregungen zur aktivistischen Selbstreflexion und trägt hoffentlich bei zur Ausweitung der Debatte um Begriff und Praxis des Aufstands.
(Einleitung anonymous)
Von der Action zur Insurrection? - Einige Gedanken zu den „Tagen des Aufstands“
Wir wollen uns mit diesem Text in die Diskussion um die Insurrection Days im April 2012 einmischen und unsere Kritik an der Art und weise des Aufrufs sowie der Verwendung des Begriffs „Aufstand bzw. Insurrection“ formulieren. Uns geht es nicht darum, der Vorbereitungsgruppe ihr Projekt auszureden oder schlecht zu machen, jedoch wollen wir den Aufruf dazu nicht so im Raum stehen lassen, und erhoffen uns einige theoretische und strategische Überlegungen in die runde werfen zu können welche wenigsten ein bisschen was gegen die allgegenwärtige Verwirrung bewirken könnten. Es liegt uns jedoch fern hier irgendwelche absolute Wahrheiten präsentieren zu wollen, denn diese gibt es nicht.