Rechtsradikale greifen Innsbrucker Kulturzentrum an

gepostet am 24. September 2007 - 20:55 von Antifaschist

In der Nacht vom Samstag, den 22. auf Sonntag, den 23. September wurde das Innsbrucker Kulturzentrum „p.m.k“ neuerlich Ziel eines Angriffs der rechtsextremen Szene, die im nahegelegenen Bogenlokal „Kuastall“ (ca. 50 m von der „p.m.k“ entfernt!) ihren Treffpunkt hat.

Gegen 23:00 Uhr flogen Glasflaschen von Gästen des „Kuastalls“ Richtung „p.m.k“. Die BesucherInnen des dort stattfindenden Hip Hop Konzerts wurden zudem mit nazistischen Parolen provoziert, woraufhin sie die Polizei alarmierten. Diese hielt es zu dem Zeitpunkt aber für nicht notwendig, sich die Situation zumindest anzusehen.

Im weiteren Verlauf des Abends sammelten sich dann immer mehr Rechtsextreme vor dem „Kuastall“: Die Gruppe schwoll auf geschätzte 20 Personen an. Ca. zehn von ihnen marschierten gegen 00:30 Uhr, teilweise vermummt, auf die p.m.k zu. Die Gruppe bildete dabei eine Kette, die fast über die ganze Straßenbreite reichte. Vor der „p.m.k“ angekommen schossen sie zwei Metallmüllkübel sowie mehrere Bierflaschen durch die Glasfassade in den Barraum, der zu diesem Zeitpunkt mit ca. 40 Menschen gefüllt war. Die große Scheibe zerbarst daraufhin und die Splitter flogen durch das ganze Lokal. Glücklicherweise wurden weder die zwei bis drei Personen vor dem Lokal, noch die hinter der Scheibe stehenden BesucherInnen schwerer verletzt. Zwei Personen erlitten jedoch Schnittverletzungen am Bein und an der Hand.

Nach dem Angriff zog sich die Gruppe von Rechtsradikalen sofort in verschiedene Richtungen zurück. Es wurde abermals die Polizei alarmiert, die zehn Minuten bis zum Eintreffen brauchte. Einem der vielen AnruferInnen, die auf ein Kommen drängten, antwortete ein Bulle am anderen Ende der Leitung: „Jetz hören´s auf und tuan´s nit so gscheid.“ Die später dahertorkelnden Beamten nahmen dann nicht die Verfolgung der Angreifer auf, sondern inspizierten lediglich den Schaden – die kaputten Glasscheiben. Erst nach der Einvernahme zahlreicher ZeugInnen und durch das Drängen von „p.m.k“-BesucherInnen nahm die Polizei Personenkontrollen beim Lokal „Kuastall“ und in dessen Umgebung vor. Vergangene Erfahrungen zeigen, dass dieses Verhalten seitens der Polizei nicht verwunderlich ist.

Dieser Angriff stellt den Höhepunkt einer Serie von rechtsradikalen Attacken dar. Schon am Vortag, in der Nacht vom Freitag auf den Samstag, wurde ein Übergriff auf die „p.m.k“ und deren BesucherInnen ausgeübt. Dabei wurde einer der Anwesenden mit einem Holzbrett attackiert und eine Glasscheibe direkt über dem Eingang zum Konzertbogen zerstört. Auf die Ankündigungstafel wurde „Zecke Verrecke!“ geschrieben. ZeugInnen beobachteten, dass zu diesem Zeitpunkt bereits Baustellenabsperrungen vor dem „Kuastall“ bereit gestellt waren, um einen möglichen Gegenangriff abzuwehren.

Diesen neuerlichen Übergriffen ging eine Schmiererei voraus, von der schon berichtet wurde: Rechtsextreme sprühten den Spruch „Good night, left side!“ auf die Fassade und unterstrichen ihre nazistische Gesinnung mit einem Hakenkreuz (http://at.indymedia.org/de/node/2734).

Diese Vorfälle unterstreichen einerseits die Tatsache, dass die im Wachsen begriffene Innsbrucker rechtsradikale Szene nicht mehr vor organisierten militanten Aktionen zurückschreckt. Andererseits führt dies ein weiteres Mal vor Augen, dass die Polizei nicht darauf bedacht ist, den BesucherInnen der Bogenmeile Abende ohne rechtsradikale Übergriffe zu ermöglichen.

Die Presseaussendung des Vereins „p.m.k“ zu dem Vorfall ist als .pdf Datei angehängt.

PS: Der Text sollte nicht so gelesen werden, als ob er ein entschlosseneres Vorgehen der Polizei fordere. Es soll viel mehr gezeigt werden, in welcher gesellschaftlichen Realität wir leben.

PPS: Korrigierende und inhaltserweiternde Kommentare sind ausdrücklich erwünscht!

Bilder: 
Punk sei Dank nur leichte Schnittverletzungen und kaputte Glasscheiben
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