"Wenn eine Verbindung harmlos sein will, soll sie sich auflösen!" - CV-Ball wegschmeißen!

gepostet am 8. Jänner 2012 - 20:06 von Linzer Arbeitskreis gegen das Korporationsunwesen

Was / Wo / Wann

Stadt / Gemeinde: 
4020 Linz
Adresse / Location: 
Hauptplatz
Datum: 
14 Jän 2012 - 18:00
Veranstaltungstyp: 
Demo

Wie jedes Jahr laden reaktionäre Männerbünde des christlichen Cartellverbands (CV), des größten verbindungsstudentischen Dachverbandes in Österreich, in Linz zum Tanz: Der CV-Ball findet am 14.1.12 im „Palais-kaufmännischer Verein“ statt. Dort treffen sich in pompöser Manier regelmäßig die selbsternannten gesellschaftlichen Eliten aus Politik und Wirtschaft. Die Vorstandsriege der Raiffeisenlandesbank, das Rektorat der Johannes Kepler-Universität, diverse Abgeordnete und Politiker (seltener auch: Politikerinnen) bis hin zum Landeshauptmann Pühringer sin nur einige der prominenten Gäste.

Der Cartellverband: "harmlose" österreichische Normalität

In der Öffentlichkeit gibt sich der CV alle Mühe, harmlos zu erscheinen. Im Gegensatz zu ihren Bundesbrüdern aus Burschenschaften und Landsmannschaften, die regelmäßig für Skandale sorgen, gelingt ihnen die Stilisirung zur seriösen Korporationsalternative auch sehr gut. Tatsächlich unterscheidet sich die politische Ausrichtung des CV auch deutlich von der der völkisch-deutschnationalen Burschenschaften – Seit Jahrzehnten ist der Fluchtpunkt des CV-Patriotismus nicht ein großdeutsches Reich, sondern "Österreich" – ob Republik oder austrofaschistischer Ständestaat scheint im historischen Rückblick als Frage dabei jedoch eher zweitrangig. "Harmlos" ist der CV also allemal nicht. Alle Studentenverbindungen, ob CV oder "Deutsche Burschenschaft" (DB) teilen sich dabei eine Menge Gemeinsamkeiten: Nicht nur die auffällige Kleidungsordnung der Verbindungen ("Coleur"), sondern auch der prinzipielle Ausschluss von Frauen* , sowie struktureller Konservatismus und ein elitäres Selbstverständnis ist allen gemein. In reaktionärer Weise halten beide, trotz der Erfahrungen von Austrofaschismus und Nationalsozialismus , an ihren überholten Traditionen, Riten und Normen fest. Dabei zeigen sie sich vollkommen unbeeindruckt von gesellschaftlichen Veränderungen und emanzipatorischer Kritik.

Heteronormativier Sexismus

Als Männerbünde vollziehen sie nicht nur den systematischen Ausschluss, sondern auch die Abwertung von Frauen*, die im Verbindungsjargon lediglich als "Damen" vorkommen und als "schmückendes Beiwerk" – gerade auf Bällen – ausnahmsweise herzlich willkommen sind. Damit einher geht auch die Ausgrenzung, Unsichtbarmachung und Ablehnung jeder "Abweichung" von der Norm der Zweigeschlechtlichkeit und der Heterosexualität: Homo- und Transphobie gehören, sowohl implizit als auch explizit zum verbindungsstudentischen Standartrepertoire. Einmal mehr zeigt sich hier der antiemanzipatorische Charakter der Korporationen: Mit der Zweigeschlechtlichkeit wird auch vergeschlechtlichte kapitalisitsche Arbeitsteilung affirmiert, nach der Männer* für den (sichtbaren, anerkannten und öffentlichen) Bereich der Lohnarbeit zuständig seien, während Frauen* in die private Sphäre gedrängt werden, wo sie (meist unbezahlte, unsichtbar gemachte) Reproduktionsarbeit leisten müssen.

Lebensbundprinzip und elitär-männliche Seilschaften

Diesem Sexismus kommt im Falle studentischer Verbindungen eine besondere Relevanz zu: Dank ihrem "Lebensbundprinzip", welches die Alten Herren (im Berufsleben stehende Verbindungsmitglieder) zum protegieren der Jüngeren Mitglieder verpflichtet, werden sturkturell "Seilschaften" herausgebildet, worüber immer wieder Korporierte in einflussreiche Positionen befördert werden – Ein Phänomen, dessen Auswirkungen sich mit einem Blick auf die Besezung einflussreicher Gremien und Posten in Unternehmen, Banken und staatlichen Einrichtungen (bis zu den Parlamenten) in Österreich schnell feststellen lassen. Mehr als genug Gründe für uns Antifaschist_innen und (Pro-)feminist_innen, unseren Protest gegen alle studentische Verbindungen öffentlich zu machen und lautstark auf die Straße zu tragen: Rund um den CV-Ball im Jänner und den rechtsextremen Burschenbundball am 14.2 werden Aktionen und Infoveranstaltungen organisiert, die nicht nur reaktionäre Tanzveranstaltungen, sondern das gesamte österreischische Verbindungsunwesen letztendlich verunmöglichen wollen.

Gegen (Hetero-)sexismus, Homo- und Transphobie!
Gegen Österreich, Deutschland und ihre Fans!
Seilschaften kappen!

„Wenn eine Verbindung harmlos sein will soll sie sich auflösen.“

Linzer Arbeitskreis gegen das Korporationsunwesen,Jänner 2012

Aktionen (diese Liste wird ständig erweitert – stay tuned!)

Freitag, 13.1.12 14:00h : "1. Linzer Burschitour" mit Heribert Schiedl (DÖW) servus-Clubraum, Stadtwerkstatt Linz, Kirchgasse 4 diesenreiter.at

Samstag, 14.1.12 // - 18:00h Demonstration "CV-Ball wegschmeißen!" gegen den reaktionären CV-Ball im Palais-kaufmännischer Verein. Treffpunkt Hauptplatz - ca. 20:30h Straßenfest – "CV-Ball wegtanzen!" am Schillerpark Linz (Nähe Palais-kaufmännischer Verein) - ca. 22:00 Abendprogramm, Chillout mit Vokü und Auflegerei Ort wird noch bekanntgegeben

Freitag 27.1.12 Proteste gegen den rechtsextremen WKR-Ball in Wien Es wird eine gemeinsame Anreise aus Linz geben. Infos: http://nowkr.at/

Samstag 11.2.12 Proteste gegen den rechtsextremen Burschenbundball – Termin vormerken, Infos folgen. Info: antifa.servus.at

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