Microblogging und emanzipatorische Ansätze

gepostet am 4. Mai 2011 - 13:16 von oin indy

In den etwa 20 Jahre, seit es das World Wide Web gibt, und in den 40 Jahren seit der Entstehung des Internets, haben Firmen immer wieder versucht, die offene, dezentrale Struktur des Netzes für kommerzielle, geschlossene Plattformen zu verwenden. Und immer wieder hat sich gezeigt, dass die UserInnen mit grosser Begeisterung und mit grossem Eifer die geschlossenen Systeme verwenden und die meist kurz darauf entstehenden offenen, technisch überlegenen Alternativen linx liegen lassen. So auch seit 2006 mit dem Microblogging Dienst Twitter, dem kurz nach der Enstehung die freie Alternative, identi.ca, folgte. Identi.ca bastiert auf der Software status.net, welche das OStatus Protokoll implementiert. Die Software ist freie Software (kann also von jeder/jedem runtergeladen und verwendet werden) und was viel wichtiger ist: OStatus ist ein offenes, netzwerkfähiges Protokoll. Das heisst, dass es eine offene, für jede/jeden einsehbare Spezifikation gibt (somit können auch alternative Softwareprodukte leicht programmiert werden) und, was für die EnduserInnen wahrscheinlich am wichtigsten ist, die einzelnen Services können miteinander kommunzieren und Nachrichten austauschen.

Wie anfangs schon erwähnt, versuchen immer wieder Firmen, kommunikationsstrukturen im Netz unter ihre Kontrolle zu bringen und einzusperren. Bekanntestes Beispiel dafür ist wahrscheinlich die Firma ICQ mit der gleichnamingen Chatsoftware. Im Netz zu chatten war bei der Entstehung von ICQ keine Neuigkeit, das am weitesten verbreitet Chatprotokoll, IRC, gibt es seit 1988 und löste selbst schon vorher bestehende Systeme ab. Was ICQ gemacht hat, war, die Möglichkeit des Chats an den eigenen Server zu binden und an die eigene, natürlich proprietäre, Software. Ähnliches versuchten auch MSN, Windows Messenger, Yahoo Messenger und momentan versuchen es Skype und Twitter. Kurze Zeit später tauchte dann XMPP/Jabber auf, eine freie Spezifikation, die genauso wie OStatus, netzwerkfähig ist, von der es Serverimplementationen in freier Software gibt und auch die Clients gibt es als freie Software.

Die Absurdität, die ein geschlossenes System bedeutet, kann mensch sich leicht anhand von Email ausmalen (und es verwundert, dass dies nocht nicht versucht wurde, aber vielleicht weiss ich einfach nichts davon):
Stellt euch vor, ihr habt eine Email Adresse streuselkuchen92@server.com und ihr könnt mit dieser Email Adresse Nachrichten verschicken- jedoch nur an Leute, die auch auf server.com eine Email Adresse haben. Wenn ihr an kleenerpunk87@provider.com eine Mail schreiben wollt, müsst ihr euch einen Account auf provider.com anlegen. Ist doch absurd, oder? Aber genau diese Umsetzung streben kapitalistische Unternehmen wie Twitter Inc. an, denn das Ziel ist, die Kontrolle über alle Tweets zu haben und alle Userinnen an sich zu binden. Denn nur dann kann mit deren Daten Umsatz gemacht werden. Ein weiterer grosser Nachteil ist der Single Point of Failure, der bei Skype schon hin und wieder zu tragen gekommen ist.

Es stellt sich natürlich die Frage, was hält die Leute noch bei so geschlossenen Systemen, wie Twitter? Die einzige Erklärung die dazu einfällt ist wohl: es hat (noch) eine grössere AnwenderInnenbasis. Aber ist das Grund genug, die eigene 'Timeline' einer Firma in die Hände zu geben? Doch das wird sich ändern, im Laufe der nächsten Wochen, Monate, spätestens Jahre. Falls du Twitter verwdendest, und umsteigen (oder beides zeitgleich verwenden) willst, findest du auf status.net eine Liste von Services. Wer auf seine Privatsphäre besonders acht geben will, kann sich über eine FreundIn einen Account auf indy.im besorgen, wo auch at.indymedia.org einen Account hat (geht nur über Invites). Das Service ist zwar noch in der Testphase, läuft aber sehr stabil, es werden keine IP Adressen gelogged und die Admin@s sind immer für Anfragen erreichbar. Der bekannteste Service, der OStatus implementiert, ist identi.ca, wo unter anderem auch die RAW einen Account hat.

Falls ihr weitere interessante OStatus Accounts wisst, könnt ihr sie ja als Ergänzung posten.

Grundsätzlich gilt natürlich: fuck twitter, write it on the walls!

Bilder: 
Microblogging und emanzipatorische Ansätze

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sehr guter artikel

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