[Di:Day] Frauenhass und Deutsche Mütter um 1900 - Antisemitismus in der 1. bürgerlichen Frauenbewegung und im Männerbund der Maskulinisten
Was / Wo / Wann
Der Begriff Antifeminismus wurde von der deutschen Frauenrechtlerin Hedwig Dohm in Anlehnung an den um 1870 etablierten Begriff Antisemitismus geschaffen, um die Gegner_innenschaft gegen die politischen und sozialen Forderungen der 1. Frauenbewegung zu benennen. Während antisemitische Vereine wie der „Deutsche Bund gegen die Frauenemanzipation“ die neue soziale Bewegung als „internationalistisch zersetzend“ und „verjudet“ angriffen, reproduzierten Teile der bürgerlichen Frauenbewegung den gängigen Antisemitismus in ihrem Kampf um sittliche Moral und in ihrem Selbstverständnis als völkische Patriotinnen am heimischen Herd. In ihrem strategischen Bemühen um Sichtbarmachung im hierarchischen Geschlechterverhältnis, fochten sie innerhalb einer Verwissenschaftlichung von Geschlechterfrage und Rassismus, für geschlechtliche und sexuelle Normierung, die das „jüdische“ als krankhaft abweichend begriff. Etwa zeitgleich mühten sich die Maskulinisten um Hans Blüher, männliche Homosexualität als besonders viril und damit staatstragend zu diskursiveren. Die maskulinistischen Ansätze zur Normalisierung männlicher Homosexualität beruhten auf der Abwertung und Ausgrenzung von Frauen und Juden – und entwarfen ein antisemitisches Zerrbild von „effeminierter“ und „germanischer“ Männlichkeit. In der Gegenüberstellung der beiden Emanzipationsbewegungen soll aufgezeigt werden, wie der Antisemitismus als „kultureller Code“ um 1900, für die so kontroversiellen sozialen Bewegungen, einen Machtgewinn bedeuten konnte.
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