Kurze Chronik zum Kampf gegen die Herrschaft in Belgien

gepostet am 17. November 2009 - 20:07 von Anarchisten

In dem kleinen belgischen Lande brodelt es schon seit geraumer Zeit. Viele werden von den massiven Agitationen mitbekommen haben, die dort während der letzten 3/4 Jahre die Gefängniswelt drinnen und draussen erschüttert haben. Über die Jahre intensivierte sich eine Dynamik, die sich - kompromisslos und ohne Forderungen - gegen alles richtet was die Einschliessung repräsentiert. Neben Postern und Flyern, die das Gefängnis und die Welt, die es hervorbringt, aus anarchistischer Sicht kritisieren, reichen die Angriffe von Sprayereien bis zu Brandstiftungen. So entsteht jenseits von formeller Organisation eine lebhaft Dynamik, die die Mauern übersteigt.
Trotz einer leichten Beruhigung, scheint die Welle von Aufständen innerhalb der Knäste noch längst nicht abgeflaut zu sein, wie die Zerstörung des Isolationsmoduls in Brugge durch mehrere Gefangene im April dieses Jahres sehr schön zeigte. Fast kein Monat vergeht, ohne dass das Verlangen nach Aufstand und Ausbruch einen Ausdruck findet.
Nun steht der Bau eines neuen geschlossenen Zentrums gleich neben dem alten in Steenokkerzeel ["127bis"] an und beginnt auf schadensträchtige Reaktionen zu stossen. Während bereits etliche Autos von Firmen, die irgendwie involviert sind, in Flammen aufgehen, kriegt die für den Bau des neuen Gefängnisses verantwortliche Baufirma [BESIX] am hellichten Tag Besuch von etwa 20 maskierten Personen, die alles kurz und klein schlagen. Unter anderem werden etliche Ticketautomaten von Firmen für öffentliche Transporte blockiert, wobei auf den Bau des neuen Zentrums und die Kollaboration der Firmen bei Razzien verwiesen wird. Im Verlauf einer Kundgebung vor dem "127bis" können auch Maschinen auf der neuen Baustelle gleich nebenan beschädigt werden. Als etwas später ca. 150 Personen vor den Gefängnissen in Vottem und Brugge die Tore blockieren, bricht in letzterem ein Aufstand aus, wobei Scheiben und Gitter beschädigt werden. Anscheinend gelang es sogar einem Gefangenen zu fliehen.
Kursierede Texte machen klar, dass es keineswegs darum geht, in der Partialität eines Kampfes zu versinken, sondern eine Perspektive voranzutragen, die jegliche Formen von Autorität und Ausbeutung in Frage stellt und die Möglichkeiten diese zu Bekämpfen bekräftigt.

Es scheint interessant solche Kämpfe, die nicht nur in Belgien stattfinden, zu verfolgen, aber vorallem sollten sie uns ermutigen, in unserem Kontext eigene Perspektiven und Möglichkeiten zu öffnen, für einem Kampfes gegen alles, was uns in der herrschenden Ordnung einsperrt.

Warme Grüsse und Mut an die Gefährten in Belgien und vorallem auch an die beiden, die seit einiger Zeit in Haft sitzen! [dazu: " http://ch.indymedia.org/de/2009/11/72128.shtml"]

Bis alle Gefangenen frei sind und jegliche Herrschaft begraben...

Nachfolgend eine Chronologie von Ereignissen seit dem August dieses Jahres. Die Informationen wurden von der Seite "www.rookenas.blogspot.com" übersetzt. Diese Seite existiert auch auf Französisch
["www.suieetcendres.blogspot.com"]
und auf Englisch
["www.suieetcendres.blogspot.com/search/label/english"].

06.11.2009 - Ein Van der Firma "Valens" wird in Brand gesteckt. Diese Firma beteiligt sich am Bau des neuen geschlossenen Zentrums.

31.10.2009 - Der Justizminister vermeldet, dass es dieses Jahr schon mindestens 55 Angriffe auf Firmen, die am Bau von Gefängnisen und geschlossenen Zentren beteiligt sind, auf die Post und Firmen für öffentliche Transportmittel gab. Aktionen die vermutlich dem anarchistischen Milieue zuzuschreiben seien.

31.10.2009 - In diesem Oktober griffen schwarz Maskierte Leute mehrmals Banken und Temporärarbeitsagenturen in Brüssels an.

31.10.2009 - Ungefähr 150 Leute blockierten die Eingäge der beiden Haftanstalten für Immigranten in Vottem und in Brugge. In Brugge bricht im Innern ein Aufstand aus: Die Gefangenen zerschlagen Fenster, versuche Gitter niederzureissen... Die intervenierende Polizei vertreibt die Gefangenen vom Innenhof. Scheinbar konnte ein Gefangener ausbrechen.

26.10.2009 - Ein Gefangener wird in Isolation gesteckt, nachdem er einen Wärter angriff. Nur etwas später werden erneut zwei Wärter von ihm verprügelt.

17.10.2009 - Im Gefängnis von Lantin weigern sich drei Gefangene in die Zellen zurück zu kehren. Als die Wärter sie zwingen wollten, wurde einer von ihnen mit einem Messer verletzt.

17.10.2009 - Das Auto eines Wärters des Juvenile Gefängnisses wird stark beschädigt.

16.10.2009 - Etwa 20 Maskierte Personen stürmen Morgens das Büro von BESIX. Während einigen Minuten verwüsten sie das Büro und sprayen Slogans. 8 Personen befanden sich in diesem Moment in dem Gebäude. BESIX baut das neue geschlossene Zentrum in Steenokkerzeel.
Die Angreiffer zerstörten den Eingangsraum, den Konferenzraum und einige Büros. Dem Receptionist wurde gesagt, dass ihm nichts passiere, wenn er ruhig bleibt. Flaschen mit übelriechender Flüssigkeit wurden auf dem Boden zerschlagen. Computer, Bildschirme, Bilder, etc. wurden zerstört. Es war alles voller Glassplitter.
Einer der Eindringlinge schrie: "Das habt ihr davon, wenn ihr Gefängnisse baut."

13.10.2009 - Ein Gefangener greift in Tournai fünf Wärter mit Scheren an. Er wird für die Innenhofbesetzung von vor zwei Tagen verantwortlich gehalten.

08.10.2009 - Diverse Brände flammen verteilt in der Stadt auf. Kontainer und Palette auf einer Baustelle der Hochschule, sowie 4 verschiedene Autos, wovon eines der Postbbank und eines "Fortis" [auch eine Bank] gehöhrt.
Um 03:30 wird ein Verdächtiger verhaftet. Er verweigert jegliche Kooperation.

08.10.2009 - Die faschistische Studentenorganisationen NSV und KVHV organisieren eine Diskussion an der Hochschule von Gent. Um ca. 23:00 Uhr wird das vorbeifahrende Auto des Ex-Präsidenten der NSV von Maskierten angegriffen. Etwas später werden zwei Führer der KVHV in einem Laden mit Glasflschen und Einsenstangen verprügelt. Zwei Stunden später wird auch der Führer der NSV mit Ketten und Flaschen verprügelt.
In der selben Nacht wurde ein Büro der Faschistischen Partei "Vlams Belang" eingefärbt.

08.10.2009 - In einer Schule in Genk wird eingebrochen und Feuer gelegt.

07.10.2009 - Das Justizgebäude in Gent wird mit Steinen und Farbe traktiert. Fünf scheiben gingen zu Bruch.

05.10.2009 - Ein grosses Jagdhaus der Moens-Familie wird fast vollständig von Flammen zerstört.

05.10.2009 - In Oreye-Remicourt wird eine Hochspannungsleitung durch einige brennende Strohballen sabotiert.

02.10.2009 - In der Nacht wird ein Feuer im Untergeschoss des Friedensgerichtes entdeckt. Das Feuer muss vor dem Fenster ausgebrochen sein und sich dann in das Gebäude ausgebreitet haben. Nur wenige Dokumente wurden beschädigt.

27.10.2009 - Gleich neben dem Flughafen in Steenokerzeel findet eine Versammlung vor dem geschlossenen Zentrum 127bis und der Baustelle des neuen Zentrums statt. Es waren etwa 50 Personen vor Ort. In dem Zentrum rufen die Leute und schlagen gegen die Gitter. auf einem Banner steht: "Gegen alle Gefängnisse. Lang lebe die Revolte." Ab einem gewissen Moment entscheiden die anwesenden Leute durch die Felder zur Baustelle des neuen Zentrums zu gehen. Die Polizein intervenierte noch nicht. Dar Zaun wurde niedergerissen und Farbflaschen auf einige Bagger geworfen, sowie Sand in einige Tanks gemischt. Nun kamen auch die Bullen angerannt, aber die Protestierenden zogen sich rechtzeitig zurück. Wieder vor dem 127bis intensivierte sich die Stimmung, vorallem von innerhalb des Zentrums. Einige Gefangene versuche die Fenster zu durchbrechen.
Die Demostration endet etwas später, niemand wurde kontrolliert.

26.10.2009 - Das Auto eines Ex-Polizisten wird in Ronse in Brand gesteckt.

24.09.2009 - In der Nacht von Montag auf Dienstag werden ungefähr 30 Ticketautomaten von STIB [Firma für öffentliche Transportmittel] beschädigt, indem die Schlitze für die Kreditkarte und das Geld auf verschiedene Arten blockiert werden. Hinterlassene Nachrichten verweisen auf den Bau eines neuen geschlossenen Zentrums für Immigranten und auf die Kollaboration der STIB - die während Kontrollen Illegale verhaften lässt - mit der Ausschaffungsmaschinerie.

21.09.2009 - In Schaerbeek wird das Auto einer Polizeipatrouille von einer Gruppe maskierter Jugendlicher mit Steinen angegriffen. Die eintreffende Verstärkung wird ebenfalls beworfen und wärend einer physischen Auseinandersetzung werden zwei Bullen verwundet.
Einige Stunden später werden 5 Jugendlich für einige Stunden inhaftiert.

21.09.2009 - Fünf Autos der Post gehen in Flammen auf, wobei auch das dahinterliegende Gebäude der Post stark beschädigt wird. In den Medien wird die Verbindung zu verschiedenen Brandstiftungen an Autos von Politikern und der Firma Denys während des letzten Monates.
[Die Post verwaltet Bank Konten von Gefängnissen und geschlossenen Zentren. Denys ist eine Baufirma, die sich an der Renovation des Gefängnis in Gent beteiligte]

21.09.2009 - Am Nachmittag betreten zwei maskierte Leute das Ticketbüro von De Lijn [Firma der öffentlichen Transportmittel] und blockierten die Schalter mit Bauschaum. Sie werfen Pamphlete in den Raum, in denen von der Kollaboration von De Lij bei Kontrollen von Sans-Papiers, von Ausschaffungen und von dem Bau eines neuen geschlossenen Zentrums in Steenokkerzeel gesprochen wird.

18.09.2009 - Ein Jugendlicher wird in seinem Haus von den Bullen verhaftet. Ihm wird vorgeworfen bei den Ausschreitungen in Molenbeek von letztem Dienstag mehrere Bullen 'verletzt' zu haben. Beistehende bemerkten die Verhaftung und antworteten mit Steinen gegen die Bullen.
Etwas später machten sich ca. 50 Leute zur Polizeistation auf und beschädigen dort Polizeiautos und die Station selbst. Zwei Fester gehen zu Bruch und zwei Bullen werden verletzt.
Etwas später trifft die Polizei mit etwa 150 Riot-Cops, einem Wasserwerfer und einem Helikopter in Molenbeek ein. Die Ausschreitungen dauern von 22:00 Uhr bis 02:00 Uhr an. Neun Bullen werden verletzt, einer davon schwer, als eine Gasflasche vom zweiten Stock auf ihn geworfen wurde. Einige Leute wurden festgenommen.
Am darauf folgenden Tag war das Ganze Quartier militarisiert und die Polizei in Anti-Riot Ausrüstung omnipräsent. Am späten Abend begannen Leute Ladenlokale und Banken einzuschlagen. Eine polizeipatrouille wird erneut mit Steinen eingedeckt.
Die Spannung bleibt sehr hoch im Quartier.

16.09.2009 - In Leuven werden die Scheiben eines Studentenhauses der religiösen Sekte Opus Dei eingeschlagen. Das Gebäude war bis 2007 besetzt.

06.09.2009 - In dem CIMB [Interkulturelles Zentum für Reintegration von Ausländern] wird Feuer gelegt. Dieses zerstört Daten und Infrastruktur.

28.08.2009 - Gegen 22 Uhr werden in Molenbeek [Brüssels] die Scheiben einer Polizeipatroulle mit Steinen eingeworfen. Nur etwas später brennt ein Haufen Autoreifen mitten auf der Strasse. Die eintreffende Feuerwehr wird von Jugentlichen ebenfalls mit Steinen eingedeckt. Als die Polizei mit Verstärkung [ca. 60 Bullen] eintrifft, werden sie von einer wütenden Gruppe von etwa 100 Maskierten angegriffen, die auch mehrere Autos in Brand steckt. Die Bullen müssen drei mal angreiffen, um die Masse zu zerstreuen. Vier Polizeiautos wurden beschädigt. Die Feuerwehr weigert sich zu kommen, um die Feuer zu löschen und die Polizei muss ihre Wasserwerfer verwenden.
In der selben Nacht wurden auch in Anderlecht Bullen mit Steinen und Molotovs angegriffen.

28.08.2009 - Im Gefängnis von Saint-Gilles bricht ein Aufstand aus, nachdem es während dem Hofgang 50 Gefangenen gelingt, die Schlüssel eines Wärters zu entwenden. Bewaffnet mit Steinen und Metallstangen übernahmen sie die Kontrolle in einem Korridor, den sie verbarrikadierten, um anschliessend die Infrastruktur zu zerstören. Während der Niederschlagung durch ca. 100 Bullen mit Hunden und Tränengas wird ein Wärter und ein Bulle verletzt.

27.08.2009 - Etwa zwanzig Jugentliche jagen in einer Metrostation in Anderlecht [Brüssels] die Polizei mit Steinen und anderen Wurfgeschossen in die Flucht, als sie gerade eine Identitätskontrolle durchführten.
In der folgenden Nacht werden sie aufgrund von "lauten Nachbarn" erneut in diesen Stadtteil gerufen. Dort angekommen stellen sie fest, dass der Metroeingang mit Molotiv-Cocktails in Brand gesteckt wurde. In der Nähe finden sie weitere Molotovs und Steine. Vermutlich ein Versuch, die Bullen in eine Falle zu locken, wie dies im letzten Monat laut Bullen schon vier mal passierte (z.B. durch Benzin auf der Strasse)

22.08.2009 - Die Frontscheiben des Büros der Faschisten von "Vlams Belang" in Kortrijk werden eingeschlagen.

22.08.2009 - In der Arbeitswerkstadt des Gefängnisses von Hoogstraten fangen aus unbekannten Gründen einige Holzpalette Feuer. Die Werkstadt befindet sich ausserhalb des Gefängnis und brannte fast völlig aus.

19.08.2009 - Bei einem Cafés der "Vlams-Belang" [Rechtsextreme Partei] in Roeselare gehen einige Scheiben zu Bruch. 2 Stunden später kehren die Angreifer zurück, und zerschlagen noch die restlichen.

18.08.2009 - Ein Man wird verhaftet nachdem er als Protest gegen eine Identitätskontrolle 4 Polizeiautos platt gestochen hat.

18.08.2009 - Etwa 200 Leute beteiligen sich an einer Demostration, um gegen den Tod von Mekael Tekin im Gefängnis von Jamioulx zu Protestieren.

16.08.2009 - Sieben Lieferwagen der Post stehen in Nossegem in Flammen.

14.08.2009 - Ein Molotov-Cocktail auf ein Justizgebäude in Brüssels hinterläst grosse Schäden am Eingangsbereich. An der Wand steht der Slogan: "Weder eure Justiz, noch euren Frieden"

12.08.2009 - Ein Geldautomat der Post steht in Flammen. In einem Communiqué wird diese Aktion, den Gefangenen gewidmet, die in Saint-Gilles das Büro der Wärter in Brand steckten, sowie jenen, die nach dem Tod von Tekin rebellierten.

10.08.2009 - Auf einem Parkplatz in Brussels gehen 8 Autos der Firma "Securitas" in Flammen auf.

09.08.2009 - In Arlon werden Sechs Autos der Post in Brand gesteckt. [die Post-Bank Verwaltet die Konten von Belgischen Gefängnissen und geschlossenen Zentren]

08.08.2009 - Nachdem Tekin bei der Verlegung in eine Arrestzelle in Jamioulx von Gefängniswärtern zu tode geprügelt wird, halten die Gefangenen den Innenhof bis zur Ankunft der Riot-Polizei besetzt.

08.08.2009 - Bei der Postfiliale in Kessel-Lo wird der Eingang und alle Fenster zerschlagen. An der Mauer steht ein Solgan: "Es leben die Ausbrüche!". Die Post verwaltet die Bankkonten von Gefängnissen und geschlossenen Zentren.

03.08.2009 - 2 bewaffneten Männern stürmen in den Justizpalast in Brüssel und befreien 3 Gefangene, die sich gerade vor Gericht für einen Autodiebstahl verantworten mussten. Während der letzten 2 Wochen gelang es bereits 12 Gefangenen auszubrechen.

03.08.2009 - Wärend dem Versuch einen Gefangenen aus dem Gefängnis von Lantin in ein geschlossenes Zentrum zu verlegen, um ihn anschliessend auszuschaffen, bricht eine Auseinandersetzung zwischen Gefangenen und Wärtern aus. Der Deportationsauftragaraufhin wurde daraufhin abgebrochen.

01.08.2009 - Im Verlauf der vergangenen Woche werden in Arlon an 3 Schulen Scheiben eingeschlagen, Tore beschädigt und Farbe verschmiert. Eine vierte Schule, die gerade unbenutzt war, ist vollständig ausgebrannt. Eine hinterlassene Nachricht lautet: "Anarchie im Land der Lämmer, Rebellion im Land der Schaffe."

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