:: zwei Gefährten im Gefängnis in Belgien ::

gepostet am 11. November 2009 - 19:36 von copycat

Wir werden nicht ruhen bis wir unsere Freunde wieder in unsere Armen schliessen können, wie und wann immer wir wollen.

Am 8. Oktober kam Jürgen Goethals nicht nach Hause. Er wurde in der Strasse durch Polizisten festgenommen, vor den Untersuchungsrichter geschleppt und im Gefängnis von Gent (Nieuwe Wandeling) hinter Schloss und Riegel gesteckt.

Am Tage zuvor, war in der toleranten Stadt Gent einmal mehr eine Gruppe Faschisten zu Gast. Wie es scheint, gefällt dies jedoch nicht allen. An verschiedenen Orten äusserten Menschen ihren Unwillen, indem sie an Symbolen dieser kapitalistischen Gesellschaft Schaden zufügten. Etwas später stellte sich heraus, dass Jürgen in Verdacht steht, an jenen Protestaktionen teilgenommen zu haben.

In den darauf folgenden Tagen wurden einige Leute durch Bullen belästigt. Eineinhalb Wochen danach kam es zu einer Hausdurchsuchung bei Paolo Melis. Er wurde dazu aufgefordert sich zwei Tage später bei der Polizei für ein Verhör zu melden. Doch dazu kam es nicht. Als er am darauf folgenden Tag nach Hause kam, lauerten sie ihm auf und nahmen ihn mit. Auch er verschwand in den Kerkern der 'Nieuwe Wandeling'.

Am 9. November wurde ihre Festnahme bestätigt und die Akte dem Gericht für Strafverfahren durchgegeben. In zwei bis vier Wochen werden sie vor dem Richter erscheinen müssen.

Wir werden nicht ruhen bis wir unsere Freunde wieder in unsere Armen schliessen können, wie und wann immer wir wollen.

Freiheit für Jürgen und Paolo!
Gegen jede Form von Einschliessen!
Für die Vernichtung von Gefängnissen und deren Welt.

Für Briefe oder Postkarten:
Jürgen Goethals
Nieuwe Wandeling 89
9000 Gent
Belgien

Gian-Paolo Melis
Nieuwe Wandeling 89
9000 Gent
Belgien

Für finanzielle Unterstützung: 000-3244460-04 mit Bemerkung J+P

Gent in der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober

Splitternde Scheiben, tropfende Farbe. Der gläserne Gerichtspalast durch Vandalen beschädigt. Laut dem Parkett ein zustande gekommener Schaden von zehntausend Euros. Ein Pfeiler der Demokratie in einem Anflug von Raserei angegriffen?
Überall im Zentrum von Gent, lecken zerstörerische Flammen am Plastik von Abfallcontainern, einige geldspuckende Automaten, bestehend zum Komfort des permanenten Konsumenten, werden ebenfalls vom Feuer berührt. Feuerwehr und Polizei müssen in allen Richtungen zur selben Zeit vor Ort sein. Chaos und schrille Sirenen überall.

Schliesslich vermeldet das regionale Fernsehen, dass einige rechte Studenten mit einer, auf physische Weise, demoralisierenden Dosis Kritik traktiert wurden (u.a. hat der Präsident der NSV [nationalistische Studentenvereinigung] einige ordentliche Schläge einzustecken). Am St-Pietersplein organisiert die KVHV (katholisch flämischer Hochstudenten Verband) eine Debatte über den Islam in Europa. Ein Kränzchen rabiat rechter “Demokraten”, worunter Dewinter (Hauptfigur von Vlaams Belang [extrem- rechte flämisch nationalistische Partei]), Dedecker (Hauptfigur der Rechts-Liberalen) und Co. vertritt den einen Standpunkt, während die Islamisten der AEL [arabisch-europäische Liga] als Gegengewicht auftreten. An einem anderen Ort in Gent, in der Hochschule an der Voskeslaan, feiert die NSV (der offiziöse Studentenclub von 'Vlaams Belang') den Beginn des neuen Akademiejahres. Im letzten Jahr organisierte die NSV eine Debatte mit Filip Dewinter als Gastredner. Damals wurde das Universitätsgebäude, indem die Debatte hätte stattfinden sollen, erfolgreich durch Antifaschisten besetzt. Ein Angriff der Faschisten unter Leitung von Führer Filip wurde abgewehrt. Diese Verhinderung des vermeintlichen Rechts der freien Meinungsäusserung für Faschisten, durfte sich auf keinen Fall wiederholen.

Daher wurde in diesem Jahr eine eindrucksvolle Polizeimacht eingesetzt, um den Vorkämpfern der flämischen Demokratie ein ungestörtes Zusammentreffen zu ermöglichen. Da eine Besammlung auf den von ihnen festgelegten Plätzen und Zeitpunkten einzig auf ein Zusammenstoss mit einer blauen Mauer hinausgelaufen wäre, wurde dieses Mal auf eine andere Weise reagiert. So gingen die Partys doch nicht unbemerkt über die Bühne und wurde Gent durch einen spontanen und launischen Ausbruch von Chaos aufgeschreckt.
Der politische Aufmarsch von extrem Rechts in Flandern ist kein Zufall. Die Tatsache, dass faschistische Organisationen wie die NSV und auch die NSA (neue solidaristische Alternative) in Gent (und Flandern) schon bald freie Hand haben und durch die Ordnungsdienste in übereifrigem Masse beschützt werden, hat tiefer liegende Ursachen.

Extrem Rechts bringt allerlei “Probleme” zur Sprache, die keine eigentliche Basis haben. Weltweit ist der Spalt zwischen einer monströsen reichen, kleinen Elite und den Massen, die täglich für ihr Überleben kämpfen, immer tiefer geworden. Die Beschützer dieser Elite dehnen sich überall immer mehr aus, werden immer besser ausgerüstet. Man braucht nur an die farbenfrohen Varianten der Polizei zu denken, die unsere Strassen beschmutzen (graue, violette, schwarze,...jede Uniform mit ihrer eigenen Spezialisierung). Ihre Arbeit umfasst sämtliche Methoden, von der samtenen 'sozialen' Herangehensweise, bis hin zur stahlharten Repression.
Der Diskurs von extrem Rechts, der den Islam als Bedrohung der “aufgeklärten” westlichen Welt darstellt, Menschen auf der Flucht vor einem miserablen Bestehen als Parasiten, Arbeitslose als Profiteurs,...beabsichtigt die Aufmerksamkeit, von diesem sich Tag für Tag wiederholenden Krieg von Reich gegen Arm, abzulenken.

Jene Geschichte wird uns durch die Medien überbracht, das Sprachrohr der herrschenden Elite, die unsere Gedanken des weiteren mit “Tittytainment” im Fernsehen und Internet verstreuen, Gesundheitskult und Ähnlichem. Die öffentliche Meinung von Flandern, scheint sich diesen Diskurs eigen gemacht zu haben. Auch in der Bar lauert der Rassismus hinter jeder Ecke. Die “anderen” sind die Feinde, nicht die Puppenspieler die dieses Theater manipulieren.

Das Nachspiel:

Natürlich sind Justiz und Regierung nicht glücklich mit Äusserungen von Widerstand, wie sie sich in jener Nacht ereigneten. Laut einer öffentlichen Meinung, dominiert durch rechte Akteure, müssen Köpfe rollen. In der selben Nacht wird eine Person, verdächtigt von mehreren Brandstiftungen, festgenommen. Zwei Wochen später wird eine weitere Person, unter Verdacht von ungefähr den selben Taten, verhaftet.

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