Stellungnahme des verantwortlichen Künster_Innenkollektivs zum Ermittlungsverfahren
und der Beschuldigtervernehmung des Künstlers Chris Moser.
Unibesetzungen, Student_Innenproteste, politische Prozesse gegen außerparlamentarische Aktivist_Innen (§ 278a-Verfahren gegen Tierrechtsaktivist_Innen, http://www.vgt.at/hinweise/RepressionAktuell/index.php), sowie die Politische Verfolgung von Künstler_Innen (Ermittlungsverfahren wg. § 188 (Herabwürdigung religiöser Lehren) und aktuell wg. §248 Abs. 2 (Herabwürdigung des Staates und seiner Symbole);
Unweigerlich werden Assoziationen zu 1968 geweckt.
Bleibt nur zu hoffen, dass es diesmal, über 40 Jahre nach dem letzten Versuch, was wird mit der Revolution!
Dem Künstler Chris Moser wird aktuell zur Last gelegt, im kritischen Kunstfilm „SO A GSCHISS UM DEN HOFER!“ (der Film wurde auch im Internet auf youtube veröffentlicht) durch das Verbrennen einer Fahne die der Tiroler Landesfahne ähnlich sieht, sich nach § 248 Abs. 2 StGB strafbar gemacht zu haben.
Dazu der Wortlaut aus dem Gesetz:
§ 248 Herabwürdigung des Staates und seiner Symbole
(1) Wer auf eine Art, daß die Tat einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird, in gehässiger Weise die Republik Österreich oder eines ihrer Bundesländer beschimpft oder verächtlich macht, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr zu bestrafen.
(2) Wer in der im Abs. 1 bezeichneten Art in gehässiger Weise eine aus einem öffentlichen Anlaß oder bei einer allgemein zugänglichen Veranstaltung gezeigte Fahne der Republik Österreich oder eines ihrer Bundesländer, ein von einer österreichischen Behörde angebrachtes Hoheitszeichen, die Bundeshymne oder eine Landeshymne beschimpft, verächtlich macht oder sonst herabwürdigt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.
Dass es sich bei der geschilderten Begebenheit offensichtlich um ein künstlerisches Statement, um ein Kunstwerk, handelt steht außer Zweifel, stellt doch der als Beschuldigter bezeichnete Künstler Chris Moser derzeit ein weiteres Kunstwerk welches sich kritisch mit dem „Mythos Andreas Hofer“ auseinandersetzt im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum aus. (noch bis 15. November im Rahmen der Gruppenausstellung „Hofer Wanted“; Davor vom 20. Mai bis 26. Oktober 2009 war seine Ausstellung „Haftraum 09“ im Turmmuseum von Schloss Landeck präsentiert (http://www.schlosslandeck.at/cms/front_content.php?idcat=10&lang=1 ), gleichzeitig war die Gruppenausstellung „All Right?!“, eine Ausstellung zum Thema Menschenrechte mit Beteiligung des Radikalkünstlers Moser im Beethovensaal im Wiener Palais Palffy zu sehen. Bereits seit 1994 stellt Moser seine provokanten, kritischen Kunstwerke im renommierten Rahmen aus.
Auch die anderen Mitwirkenden des Vergangenheit trifft Zukunft -Filmprojekts „SO A GSCHISS UM DEN HOFER!“ sind eindeutig im renommierten Kunstspektrum beheimatet.
Allen voran die Theatergruppe Ein/Aus.
„Die Koordination sowie die Aussendung und der grundsätzliche Inhalt des Films wurden von der Theatergruppe Ein/Aus vorgenommen und festgelegt - wie immer wurden basisdemokratisch die einzelnen Schritte der Aktion durchdiskutiert und gemeinsam umgesetzt. Zeichnungsberechtigt für die Theatergruppe Ein/Aus bin ich, deshalb müsste wenn schon natürlich auch ich VORGELADEN werden!“ so die Theaterpädagogin und Sprecherin der Theatergruppe Ein/Aus Moser-Abler in der Stellungnahme zum Ermittlungsverfahren um das filmische Kunstwerk.
Filmkünstler, Bildende Künstler aus den Bereichen Bildhauerei, Grafik sowie Kunst- und Designstrategien, Musiker und Schauspieler_Innen wirkten bei der Entstehung dieses kritischen Filmkunstwerks mit.
„Abgesehen davon, dass es sich bei der Fahne um keine „originale Landesfahne“ handelt, die Fahne ist eher eine „Comicversion“ derselben, die wir im Zuge der Vorbereitungen zum Filmprojekt selbst mittels Schablonen und Spraytechnik anfertigten (Farbgebung sowie Proportionen des abgebildeten Vogels weichen von der Tiroler Landesfahne ab), sehen wir unseren Film (sowie im speziellen die brennende Fahne) nicht als „Herabwürdigung des Staates und seiner Symbole“, sondern als künstlerische, kritische Auseinandersetzung mit den Feierlichkeiten zum Andreas Hoferjahr 2009 und der unreflektierten Mystifizierung der Person Hofers. Als eine Art künstlerisch-provokativen Gegenpol zu Heldentümelei und Patriotismus wie er sich heuer anlässlich des Gedenkjahres manifestierte.“ So der Radikalkünstler Chris Moser, der im Gegenständlichen Ermittlungsverfahren als Beschuldigter bezeichnet wird.
Weiters steht die Fahne im Film nicht für das Land Tirol, sondern eben auch für diese Art von unreflektiertem, mitläuferischen Patriotismus.
Dass der vermeintliche Andreas Hofer (- Darsteller) im Kunstfilm die Fahne praktisch selbst entzündet, stellt künstlerisch die Frage an das Publikum, ob mit Hofers antiaufklärerischer Haltung & seinem belegten Konservativismus nicht möglicherweise auch die damalige (Tiroler) Bevölkerung, allen voran die kämpfenden Bauern sprichwörtlich „verheizt“ (symbolisiert mit der brennenden Fahne) wurden.
Weiters wird mit der verbrannten Fahne eine Assoziation zu bekannten, verbrannten, und durch Kriegshandlungen gezeichneten Kriegs- und Schützenfahnen hergestellt.
Es ist dem Künstler_Innenkollektiv um die Theatergruppe Ein/Aus und dem Radikalkünstler Chris Moser besonders wichtig zu betonen, dass sich der Kunstfilm „SO A GSCHISS UM DEN HOFER“ keinesfalls auf die nur Bruchteile von Sekunden dauernde Szene der brennenden Fahne reduzieren lässt. Vielmehr ging und geht es allen beteiligten Künstler_Innen in diesem Filmwerk um eine fundamentale Kritik am Heldenmythos um Andreas Hofer, den unreflektierten Festlichkeiten zu Gedenkjahr 2009, plumpen Patriotismus und die allgemeine Rolle der Kirche in kriegerischen Auseinandersetzungen damals wie heute, nicht zuletzt werden aber auch aktuelle Missstände wie patriarchale Strukturen in Politik und Gesellschaft, Kapitalismus- und Konzernkritik, sowie die aktuelle Causa um die 10 Tierrechtsaktivist_Innen die letzten Sommer für 3 Monate gefangengehalten wurden, und denen nun aufgrund § 278a (kriminelle Organisation) der Prozess gemacht werden soll, obwohl nach wie vor keine konkreten Beweise für Straftaten vorliegen, kritisch thematisiert
Der Künstler Chris Moser ist einer der Betroffenen Tierrechtaktivisten, und der Schock war groß, als letzten Freitag um 18.00 wieder zwei bewaffnete Polizisten, die bereits bei der Hausdurchsuchung am 21. Mai letzten Jahres (danach folgte die dreimonatige Gefangenschaft) beteiligt waren, in sein Haus kamen um ihn vom weiteren Ermittlungsverfahren (§ 248 Abs 2 Stgb) in Kenntnis zu setzten.
Die drei minderjährigen Kinder von Moser, die letztes Jahr auch den massiven Eingriff in Form der fünfeinhalbstündigen Hausdurchsuchung erfuhren und an deren Anschluss die Verhaftung ihres liebevollen Vaters miterleben mussten,
waren nach dem neuerlichen Polizeibesuch völlig verängstigt und verstört.
Auch der Künstler Chris Moser selbst der sich nach der letztjährigen Hausdurchsuchung und der darauffolgenden Gefangenschaft in psychologische Behandlung begeben musste und bei dem ein Posttraumatisches Stesssyndrom diagnostiziert wurde, war nach den neuerlichen Erlebnis mit der bewaffneten Exekutive, diesmal aufgrund seiner Mitarbeit am Kunstfilm „SO A GSCHISS UM DEN HOFER!“ wieder merklich angeschlagen.
Die ehemalige Justizsprecherin der Grünen, Terezija Stoisits bezeichnete den Paragraphen 248 (Herabwürdiguing des Staates) als (Zitat): „...völlig überflüssig und gehört aus dem Strafgesetzbuch entfernt.“ Und weiter: „ ..ist ein derartiger Straftatbestand üblicherweise Bestandteil von autoritären Regierungssystemen. Einer Demokratie sind sie unwürdig. Das Ansehendes Staates kann nicht durch Strafbestimmungen, sondern nur durch verantwortungsvolles, demokratisches Handeln geschützt werden".
In einer Dokumentation von Walter Lehr, Österreich, 1999 heißt es treffend:
“Wie frei ist die Kunst? Künstler wie Thomas Bernhard, Peter Handke, Claus Peymann, George Tabori, Herbert Achternbusch und der Komponist Gottfried von Einem brachten mit ihren Werken Politik, Kritiker, Kirche und Medien gegen sich auf und das Blut der österreichischen Bevölkerung in Wallung.
Staatskünstler – Staatsfeinde. Die Trennlinie ist dünn. Auf der Strecke bleibt die Freiheit der Kunst.“
Letzten Sommer verbrannte beispielsweise der Kabarettist Alf Poier im Rahmen einer CD-Präsentation öffentlich eine Österreichische Fahne und obwohl es dazu eine Anfrage des Abgeordneten Vilimsky und weiterer Abgeordneter
an die Bundesministerin für Justiz betreffend Herabwürdigung staatlicher Symbole gab, blieb diese Aktion ohne Konsequenzen für den Künstler.
Die konstruierte Figur Andreas Hofers findet auch im universitären Bereich wenig Zustimmung.„ Die Glorifizierung und Hochstilisierung von Hofer zum Helden und sogar Märtyrer hält den geschichtlichen Fakten in keiner Weise stand“, so auch Frau Univ. Prof. Dr. Brigitte Mazohl beim Interdisziplinären Symposium „Martyrium als religiös-politische Herausforderung“ in Telfs.
VGT (Verein gegen Tierfabriken) -Obmann DDr. Martin Balluch kommentiert: „Diese Tierschutzcausa wird von Woche zu Woche fragwürdiger und empörender. Laufend setzt die SOKO neue Maßnahmen, die man bis dahin in Österreich nicht für möglich gehalten hätte. Offenbar weil den BeamtInnen völlig bewusst ist, dass sie auch nach über 3 Jahren Ermittlungen nichts gegen die TierschützerInnen in der Hand haben, haben sie jedes Augenmaß für ihre Aktivitäten verloren. Eine Hofer-Persiflage als Aktivität einer kriminellen Organisation?“ Und weiter: „Die Leidtragendsten dabei sind die Kinder. Eine Hausdurchsuchung im Stil der SOKO-Tierschutz ist wie eine Vergewaltigung, ein echtes Trauma für die Kinderseele. Bei Erscheinen der BeamtInnen liefen sie panisch ins Schlafzimmer und weinten. Wie rücksichtslos und ohne jede Fähigkeit menschlichen Mitgefühls diese SOKO sein muss, um so vielen Kindern in der Tierschutzcausa derartigen Terror zuzufügen – und dabei geht es lediglich um den Vorwurf normalen Protestverhaltens einer NGO!“
Für die Befreiung von Mensch und Tier, für die FREIHET der KUNST: die Theatergruppe Ein/AUS, Chris Moser - Radikalkunst, sowie alle anderen Mitwirkenden und Beteiligten Künstler_Innen.
Für Rüchfragen bitte mail an: theatergruppe.ein-aus@hotmail.com oder chrismoser_radikalkunst@yahoo.de