Aufruf zum Antikapitalistischen Block bei den Studentenprotesten am Donnerstag

gepostet am 3. November 2009 - 18:58 von antikapitalistischer StudentInnen mob

Aufruf zum Antikapitalistischen Block

Am 6. November werden sich wieder tausende von Studierenden auf Österreichs Straßen tummeln, um gegen die Verschlechterung der Studienbedingungen zu demonstrieren. Von zentraler Bedeutung für dieses Vorhaben erscheint dabei die „Verteidigung der Bildung“ gegen diejenigen, die es tatsächlich wagen, eben diese zu entdemokratisieren, zu Grabe zu tragen, zur Ware zu machen, zu ökonomisieren oder sonstige Schweinereien damit anzustellen. In den studentischen Kampf wird damit jedoch ein imaginiertes Modell von Bildung geschickt, welches sich, offenbar bis zum aktuellen Fehlgriff einiger Politiker_innen, frei von „der Ökonomie“ und kapitalistischer Verwertungsnotwendigkeit zu bewegen schien, quasi als etwas was bisher noch vor all den Übeln unserer Gesellschaft in Anbetracht seines höheren immateriellen Wertes geschützt wurde und nun vor die Hunde geht.
Tatsächlich unterliegt diese Bildung seit jeher, nämlich seit der Existenz des Kapitalismus, desselbigen Verwertungsgedankens und dient keineswegs dem Erkenntnisgewinn ihrer „Nutzer_innen“.

Dass der Staat als Organisator und Verwalter des (Aus-)bildungswesens zur Rettung der „autonomen Universitäten“, der „freien Wissenschaft und Lehre“, kontaktiert wird erscheint umso mehr absurd, als dieser doch auf eine möglichst effiziente Form der Verwertung des Uni-Outputs angewiesen ist. Hoch qualifizierte Arbeitskräfte sollen geschaffen werden und Österreichs Wirtschaft zu Konkurrenzfähigkeit im internationalen Vergleich verhelfen. Die Tendenz der Zurichtung des- und der Einzelnen zur Antriebskraft des österreichischen Standorts findet sich demnach auch nicht nur im Universitätsbetrieb sondern in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen wieder. Da kann „Gio“ ins Bratenfett von Kentucky Fried Chicken befördert werden, die Aufhebung des kapitalistischen Sachzwangs, demnach der Staat in letzter Instanz die Unterwerfung aller gesellschaftlichen Akteur_innen unter das Kapitalverhältnis - garantiert, wird weder ein „besserer“ Wissenschaftsminister, noch ein „verständnisvollerer“ Staat selbst erledigen.

In der Zuspitzung der persönlichen Situation im Studium offenbart sich nicht zuletzt die Anforderungen an die Einzelne in Universität, Arbeitswelt, Gesellschaft: Für den Staat, für die Nation da zu sein. Bachelor, Master, Studiengebühren und der ganze andere Unfug sollen eine effizientere Verwertung der Individuen für den „Standort Österreich“ bewirken. Der klassische „Bummelstudent“ wird dabei genauso konsequent aussortiert, wie die Konkurrenz zwischen den Student_innen erhöht. Zunehmender Leistungsdruck ist die Folge und der Kampf um das Prädikat bester Verwertbarkeit jagt eine_n genauso schnell durch das Studium wie es den Überresten kritischen Potentials den Knock-Out versetzen kann.

Ist die Vermittlung kritischer Inhalte vielleicht noch einzelnen Lehrenden ein Anliegen, so darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich gerade die traditionell links-geltenden Geisteswissenschaften zwischen „Comparative Social Policy“ und „Verwaltung und Politik“ zunehmend ins politik-emphatische Geplänkel von „Good Governance“ und „Verwaltungsethik“ integrieren konnten und ihren Teil dazu beitragen, zukünftige Beraterstäbe und Krisenausschüsse personell zu bestücken. Die Adressierung des Unmutes an „politische Einzeltäter_innen“ offenbart eben diese staatsaffirmative Haltung, der zufolge Politiker_innen, soviel Scheisse sie tatsächlich auch erzählen, freie Entscheidungen treffen könnten, jenseits des staatlichen aber parteiunabhängigen Interesses einer florierenden, konkurrenzfähigen Nationalökonomie.

Das Ideal einer freien Bildung, die der Selbstverwirklichung des Individuums dient, ist, des gesellschaftlichen Kontextes entbunden, ähnlich absurd wie das Ideal eines, den Bedürfnissen des Individuums entsprechenden sozialen und politischen Kollektivs im Rahmen von Volk und Nation.
Daher fordern wir den Staat weder dazu auf, die Belange der Menschen besser zu verwalten, noch mit uns in Dialog zu treten, gemeinsames Krisenmanagement zu betreiben oder sich seiner eigenen Logik widersetzend für die Bedürfnisse der Menschen stark zu machen. Der „Verein freier Menschen“(Marx) liegt jenseits des Tellerrandes realpolitischer Quelereien, jenseits von Kapitalismus, Nation und anderen Zwangsgemeinschaften.
Nur in diesem können die Menschen die Bedingungen ihres Lebens frei und selbstbestimmt gestalten, anstatt ihnen ohnmächtig gegenüber zu stehen.

Dem realpolitischen Herumeiern das einzig Vernünftige entgegensetzen:
Kapitalismus und Nation abschaffen!
Raus aus dem Hörsaal – rein in den antikapitalistischen Block!

Antikapitalistischer Block
5.November 2009
15:30Uhr
Ringparkstraße
(Ecke Rathauspark/Hauptgebäude der Uni Wien)

Ergänzungen

jetzt weiß mensch, um was es geht ...

deswegen die nervige bemerkung, einE antimperialistIn fühlt sich ausgeschlossen ....

dazu mal folgendes: auf den demos werden sich wieder mal alle trotzki sekten einfinden, und sie alle werden wieder gröllend nach dem internationalismus eifern.

diese trennung von "unterdrückter" und "unterdrückender" nation ist einfach schwachsinnig in meinen augen, dies aber hier zu argumentieren ist wohl am falschen platz, da geht es um die prinzipien der antiimperialisitischen ideologien, die es hier zu kritisieren gibt.

für antinationalistInnen ist die sichtweise der antiimperialistInnen was vor allem volk und nation betrifft eben eine verkürzte, die nicht selten genug zu gefährlichen schlussfolgerungen führt. genau aus diesem grund versuchen sie eben eine kritik zu formulieren, die über lenin, trotzki und ihr imperialismus-gerede hinaus geht.

ihnen deswegen selbstinszenierung vorzuwerfen, ist gerade zu peinlich. da sie inhaltliche kritik üben, und anders als die meisten antiimps, sich in der "selbstinszenierung" deutlich zurück halten. stark zu sehen derzeit an den studi-protesten, aber bekannt ist es uns ja allen ... slp, rso, linkswende, revolution/lsr und co.

in diesem sinn: kapitalismus und nation abschaffen !

antikapitalismus oder antinationismus

gegen einen block, der ernsthaft versucht kapitalismuskritik einzubringen, wäre ja nichts einzuwenden. ich sehe das problem eher darin, daß hier wieder mal antikapitalismus mit antinationaler ideologie vermengt wird. nicht daß die abschaffung von nationen nicht generell erstrebenswert wäre, aber bestehende (kuba vs usa) oder nicht bestehende nationen (zb baskenland) spielen im weltsystem halt schon eine sehr unterschiedliche rolle. insofern schade, daß dieser aufruf erst gar nicht versucht verschiedene positionen auf einen nenner zu bringen. denn "Kapitalismus und Nation abschaffen!" impliziert natürlich schon, daß es hier in erster linie um eine selbstdarstellung von ein paar antinationalen "autonomen" geht und jene linken die eher dem internationalismus zugewandt sind, sich hier nicht wiederfinden sollen. schade eigentlich, sonst hätte ich die initiative gut gefunden.

immer die selbe Leier

mal nicht schlecht so einen "antikasperlitalistischen Block" anzukündigen. Bin mal gespannt ob da mehr als 200 Leute anwesend sein werden. Und wenn am Ende der Demo auch noch so um die ca. 100 Leute im "Block" sind könnt ihr es als Erfolg werten.
Warum nennt ihr eure Blöcke in Wien immer antikapitalistisch und nicht Autonom?!!!
lässt sich mehr stumpfe Masse damit einfangen oder ist es eure unentschlossenheit und unvermögen zu einem "offiziellen" Autonomen Block aufzurufen?

hat dein beitrag auch inhalt,

hat dein beitrag auch inhalt, oder geht es nur darum, dass du zeigst, wie es besser gemacht gehört?

-> dein beitrag hat genau null inhalt, was soll an einem "autonomen block" besser sein als an einem "antikapitalistischen" ? es ist einfach ein schwachsinn, dass nie zu einem autonomen aufgerufen wird, mit dem erreich von leuten hat das auch relativ wenig zu tun. außerdem transportiert ein antikapitalistischer block schon einiges an inhalt, viel. sogar mehr als ein autonomer.

-> es gab mehrere treffen dazu und es wurde intensiv darüber diskutiert und ich bin mir sicher, dass personen wie du nicht anwesend waren. aber sprüche klopfen im indy ist eben doch einfacher ;)

daher: danke für dein sinnloses kommentar ... aber leute, die immer wissen wie es besser gemacht gehört, findet mensch ja leider zu haufe ... wäre nur mal ein weltwunder, wenn diese sich auch konstruktiv einbringen würden, anstatt immer allen anderen zu erklären, wie es gemacht gehört.

bitte mehr davon

die audimax-besetzung droht zu einer "willkommen-österreich" fernseh-talkshow zu werden.

politisiert den widerstand!

Die Welle schwappt über [endlich1]

Hörsaal in Heidelberg gesetzt

Hallo zusammen,

in Heidelberg haben gerade ca. 200 Menschen den Hörsaal 14 der Neuen Universität, dem zentralen Hörsaalgebäude in der Heidelberger Altstadt, besetzt!
Gerade formiert sich alles in einem Plenum.
Anlass war eine Vollversammlung, auf der gestern eine Live-Schaltung mit dem besetzten Wiener Audimax für eine Aubruchstimmung gesorgt hat.

Leute: macht auch was!

weitere Infos folgen in Kürze.