Ja, wir Männer sind Sexisten
Dies wird mir klar, wenn ich mir die Kommentare unter den Beiträgen durchlese, in denen sexistisches Verhalten und Übergriffe innerhalb der Protestbewegung an den Unis kritisiert wird (zum Beispiel hier und hier). Da kann ich nur sagen: Offenbar hat allein das Mann-Sein-Wollen zur Folge, dass sexistisches Handeln den Alltag bestimmt.
Warum? Ganz einfach: Ich hab die AG Frauen reden gehört und bin mir kein einziges "wie ein Sexualverbrecher behandelt vorgekommen". Dass ein Mann eine derartige Aussage bringt, hängt wohl damit zusammen, dass er Probleme damit hat, dass sexistisches Verhalten kritisiert wird. Wenn ich sexualisierte Gewalt ausübe - und das machen viele Männer! - dann verhalte ich mich möglicherweise der gesellschaftlichen Norm entsprechend, die eben dieses Verhalten nahe legt. Dieses Verhalten ist klar abzulehnen; warum das so ist werde ich hier nicht ausführen, obwohl ich mir sicher bin, dass sich einige diese Frage stellen werden. Denkt doch selber darüber nach! Wenn ihr es nicht schafft, dahinter zu kommen, dann habt ihr entweder nicht ausreichend nachgedacht; oder ihr habt kein Problem mit diesem Verhalten? Eine Unterstellung? Sicher: Ich unterstelle allen Männern, dass sie es sich zu bequem machen, denn es ist oft einfach über eine "blöde Meldung" hinwegzusehen. Er wird es schon nicht so gemeint haben. Und wenn es dann zu einem Übergriff kommt? Ja sicher, wenn so viele Leute beisammen sind, dann sind schon 10 Idioten dabei. Was frag ich da? Warum sind das plötzlich "Idioten"? Und warum wird sexualisierte Gewalt über die Aussage, dies sei nur die Handlung von "Idioten", verharmlost?
Jetzt könnte argumentiert werden, dass es sich hier nur um ein paar Kommentare handelt, die vielleicht auch von denen verfasst wurden, auf die oft gerade von Verfassern sexistischer Kommentare mit den Fingern gezeigt wird ("ein paar Idioten", Anm.). Doch stellt sich mir die Frage: Wenn es tatsächlich nur zwei Hand voll von "denen" wären, warum werden dann FrauenLesbenTrans** tagtäglich mit Übergriffen konfrontiert? Da passt doch was nicht zusammen, oder? Dieser Sexismus ist tief und fest in den gesellschaftlichen Strukturen verankert. Er muss immer und überall bekämpft werden. Eine Rednerin im Plenum hat klar und deutlich gesagt, dass es Aufgabe in allen Arbeitsgruppen, Workshops, Plena usw. sein muss, sich mit Sexismus - und weiteren Diskriminierungsformen - auseinander zu setzen. Mit dem Ziel, Sexismus keinen Raum zu geben. Wenn nun Männer Angst bekommen, dass sie ob ihres Verhaltens ausgeschlossen werden könnten, dann wird dies wohl damit zu begründen sein, dass sie genau wissen, dass sie selbst - und bewusst? - sexistisches Verhalten praktizieren.
So wird argumentiert: "Bei >1000 Leute hat man mindestens 10 Idioten dabei, das ist einfach so, und die werden von den anderen nicht unterstuetzt oder sonstwas, aber die sind dort, aber sie repraesentieren nicht die Gesinnung der anderen." Mir geht es bei dieser Kritik nicht vordergründig um die Frage, wer jene unterstützt, die sexualisierte Gewalt ausüben. Ich will eine andere Frage stellen: Warum wird die Kritik von FrauenLesbenTrans** nicht ernst genommen und diese in ihren Bemühungen um antisexistische Räume von allen Seiten unterstützt? Warum erregt gerade diese Forderung immer so viel Angst bei - vor allem - vielen Männern? Warum wird immer wieder versucht, sexualisierte Gewalt zu verharmlosen und als Tat von ein paar "Idioten", die nicht dazugehören, darzustellen? Steckt da System dahinter? Oder bringt es antisexistischer Kampf einfach mit sich, immer wieder mit plumpen Sexismen auseinander setzen zu müssen? Frauenräume braucht es mindestens solange, solange Gleichberechtigung nicht auf allen Ebenen hergestellt wird - auf dem Papier und in der Praxis! Männer reden ohnehin viel zu viel, da macht es nichts, wenn sie das eine oder andere mal nicht dabei sind. Das ist eher gut so. Es geht hier absolut nicht darum, dass "man die gleich Mal grundsätzlich und von vorneherein als Sexisten beschimpft und ausschließt".
Es sind meist Männer, die durch ihr Beharren an sexistischen Strukturen all jene ausschließen, die nicht in das Bild des Mannes passen. Als Mann hab ich schon allein den Vorteil, dass ich nicht ausgeschlossen werden - zumindest solange ich mich entsprechend verhalte. Doch genau dieses Verhalten sollte endlich beendet werden. Die Welt braucht keine Männer, die um ihre Rolle zu erfüllen, den Macho raus hängen lassen. Die Welt braucht keine Männer, die um ihre Rolle zu erfüllen, versteckt sexistisch sind. Braucht die Welt überhaupt Männer? Was ist schon die Welt? Und wie wäre sie, wenn es die Trennung in zwei Geschlechter nicht mehr gäbe? Sich dies einmal vorzustellen, kann nicht schaden. Es in die Realität umzusetzen, ist sicher nicht einfach. Doch das sollte uns nicht daran hindern, es zu tun...
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