Aktionstag Abschiebung abschaffen!

gepostet am 17. Oktober 2009 - 16:57 zuletzt angepasst am 14. Dezember 2011 - 21:02

Am Freitag, 23. Oktober 2009 fanden zahlreiche Aktionen im und um den Flughafen Wien Schwechat statt +++ Chronologische Zusammenfassung der Ereignisse im Indy Ticker +++ Fotos +++ Audio-Berichte +++Fotobericht Theater gegen Abschiebung+++Tondoku+++Feature Protest gegen Massenabschiebung 5.11.

Vom Flughafen Wien-Schwechat werden fast täglich Menschen gegen ihren Willen abgeschoben. Das Recht jeder einzelnen Person, dort zu leben wo sie_er mag, wird systematisch mit Füßen getreten.

Die rassistische Logik, dass Menschen mit bestimmten Pässen an bestimmten Orten privilegiert und andere Menschen kriminalisiert werden, hat System. Menschen, die oft größte Gefahren, körperliche Strapazen und finanzielle Ausbeutung in Kauf nehmen um vor Krieg, Armut, Hunger… zu flüchten, oder die einfach nur woanders leben wollen, werden als Illegalisierte ohne Zugang zu rechtlichem Schutz, Gesundheitsversorgung, Bildung etc. ausgebeutet. Oft warten sie jahrelang unter prekärsten Bedingungen auf eine Aufenthaltsgenehmigung um dann verhaftet, in Schubhaft genommen und abgeschoben zu werden. Viele wehren sich gegen die Abschiebung – manche bis zum Tod. So befinden sich z.B. laut österreichischem Innenministerium im Moment ein Drittel der in Schubhaft Gefangenen in Hungerstreik.

Widerstand beginnt nicht erst in der Schubhaft, sondern bereits an den Außengrenzen Europas. Hier kämpfen tagtäglich Menschen mit ihren Körpern, mit ihrem Dasein gegen den globalen Rassismus von kapitalistischen Nationalstaaten an und versuchen diese Grenzen zu überwinden. In Solidarität mit allen täglich unmittelbar gegen das Grenzregime kämpfenden ist für die sofortige Abschaffung der Schubhaft und Abschiebung, als eine der rassistischen Maßnahmen, zu kämpfen. Mit einem bunten, lauten und entschlossenen Aktionstag an einer der zentralen Stellen des österreichischen Abschiebesystems soll ein klares Zeichen gesetzt werden.

Überlegt euch Aktionen.
Seid kreativ.
Bildet Bezugsgruppen und Banden.
Kommt in touristischem Outfit.

Linxs: stopdeportation blog , no-racism.net , NoBorder tweet , nolager.de , deserteursberatung.at , borderline-europe.de , frontex.antira.info , flüchtlingsrat-hamburg.de , stockholm programm abschalten , Hungerstreiks in Schubhaft sind alltäglich , Rassistische Gesetzte in Österreich werden weiter verschärft

Veranstaltungen:

Material:
Plakate, Flyer, Aufkleber sind an folgenden Locations abholbereit:
W23
, I:dA , ekh , Kaleidoskop , Amerlinghaus Büro , HUS (gleich bei NIG / next to NIG) , GEWI (@ Uni-Campus) , Österreichische Hochschüler_innenschaft (AAKH) , Rosa Lila Villa , Grünalternative Jugend Wien

Online Mobilisierungsmaterial zum Einbinden in Blogs, Foren usw.:Indy@papier Ausgabe , Sendungsmitschnitt: Aktionstag "Abschiebung abschaffen" Jingle , Banner , Plakat , Folder , Sticker

Bilder: 
Aktionstag Abschiebung abschaffen!
Aktionstag Abschiebung abschaffen!
Riesiges Transpi
Begrüßung in der Ankunftshalle
Passagiere verslassen den Checkin-Bereich
Aktionstag Abschiebung abschaffen!
Es werden immer mehr SympathisantInnen
Polizei hielt sich zurück
Blockade zwischen Terminal 1 und 1A
Blockade wird aufgelöst
Aktionstag Abschiebung abschaffen!
Dateianhänge: 

Ergänzungen

tondoku vom 091023 flughafen schwechat

hier findet ihr die tondoku:

http://at.indymedia.org/node/16074

Umfangreiche Hintergrundinformationen

Ein Bereich auf no-racism.net beschäftigt sich mit dem Widerstand gegen Internierung und Deportationen: http://no-racism.net/deportatiNO

myspace

Ich habe soeben bemerkt, dass es bei Myspace auch einen Mobiilsierungsseite gibt. Cool!

http://www.myspace.com/rassismustoetet

Eine Radiosendung zum Thema

Eine Radiosendung zum Thema gibt es hier:
http://at.indymedia.org/node/15968

O94 Spezial Abschiebung abschaffen - on Air in Wien + via Stream

Zum Aktionstag "Abschiebung abschaffen!" am Freitag, 23. Oktober 2009 bringt Radio Orange von 14:00 bis 15:00 eine Sondersendung mit Liveberichten vom Flughafen Wien.

Zu empfangen ist die Sendung in Wien auf UKW 94.0 und im Kabel auf 92,7 oder via Livestream: http://o94.at/live
Sendungsinfo: http://o94.at/programs/o94politik-spezial/emission?emission_id=707568

Inhaltliche Anmerkungen

Widerstand gegen Abschiebungen ist notwendig! Doch sollte die Kritik an Abschiebungen mit [b]Blick in die Zukunft[/b] und die politischen Entwicklungen formuliert werden. So ist die derzeitige [url=https://at.indymedia.org/node/15624]Verschärfung der rassistischen Gesetze in Österreich[/url] u.a. die gesetzliche Regelung einer bereits angewandten Praxis - sie soll diese nachträglich und in Zukunft legitimieren. Sie ist aber auch Teil einer [url=http://no-racism.net/thema/45]europäischen Abschottungspolitik[/url]. Während die Proteste am Flughafen Wien stattfinden, werden die Innen- und Justizminister_innen der EU tagen, um das [url=http://stockholm.noblogs.org/category/Deutsch]Stockholmer Programm[/url] weiter zu fixieren und sich überlegen, wie sie die darin vorgeschriebenen gesetzlichen Rahmenbedingungen für Überwachung, Internierung, Abschiebung usw. weiter ausbauen können. Dieses Vertragswerkes soll um den 1. Dezember 2009 in Brüssel unterzeichnet werden und wird folgendes bringen: Ausbau und Vereinheitlichung von Polizei-Datenbanken, ein zentrales Bevölkerungsregister, “grenzüberschreitende Onlinedurchsuchung”, mehr Kontrolle des Internet, Ausbau von elektronischer bzw. Satellitenüberwachung, gemeinsame Abschiebeflugzeuge und –flüge, neue Flüchtlingslager in “Drittstaaten”, Einsatz des Militärs zur Migrationsabwehr, mehr polizeiliche Interventionen außerhalb der EU, Ausbau der paramilitärischen “Europäischen Gendarmerietruppe”, mehr Zusammenarbeit der In- und Auslandsgeheimdienste usw. Eines der formulierten Ziele lautet: [url=http://stockholm.noblogs.org/post/2009/07/21/wirksam-abschieben]wirksam abschieben[/url] - und lässt nichts gutes vermuten.

Neben dem Blick in die Zukunft ist ein [b]Blick in die Vergangenheit[/b] angebracht: Wenn die Innenministerin anlässlich eines Todesfalles in Schubhaft die skandalisierende Meldung raus gibt, 1/3 der Schubhäftlinge befänden sich in Hungerstreik, dann dient dies vor allem dazu, auf die fehlende Bereitschaft der Gefangenen hinzuweisen, das Land zu verlassen. Denn nur selten wird das Thema Hungerstreik von den Medien aufgegriffen - obwohl nicht nur jetzt viele Schubhäftlinge in Hungerstreik sind, sondern seit langem 1.000e Menschen allein in Österreich jedes Jahr diese Form des Protestes wählen. Im Jahr 2007 waren es nach offiziellen Angaben 2112 Personen und 2006 waren es 2338 Personen, die für längere Zeit die Nahrungsaufnahme verweigerten. Nicht immer kann damit die Freilassung erreicht werden, doch wurden allein von Jänner bis Ende August 2009 497 Schubhäftlingen Haftunfähigkeit wegen eines Hungerstreiks attestiert. Aktivist_innen, die gegen Schubhaft und Abschiebungen protestieren sollten sich bewusst sein: [url=http://at.indymedia.org/newswire/display/54073]Hungerstreik ist Widerstand gegen Internierung[/url]. Dass die Behörden darauf mit Gewalt und verschärften Maßnahmen reagieren, ist Teil der rassistischen Logik des Ausgrenzens und Einsperrens, wie in einem [url=http://at.indymedia.org/newswire/display/55008]Bericht zum Tod von Yankuba Ceesay[/url] aufzeigt. Es ist an der Zeit, klar zu stellen, dass es nur eine Alternative gibt: Schubhaft und Abschiebungen abschaffen!