PA: Triester Straße 114 nach zehn Tagen um 4.30 Uhr geräumt. Besetzung des Rathaus.
Die Stadt Wien war zu keinen Gesprächen bereit. Die Situation um das Haus war unklar. Die Räumung am Montag Morgen um 4.30 Uhr durch einen Polizeigroßeinsatz kam überraschend. 40 BewohnerInnen wurden geräumt. Verärgerte AktivistInnen haben als Reaktion das Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig besetzt und verlangen endlich Gespräche.
Alles ist ruhig. Nur der Lärm der Triester Straße dringt leise durch die Fenster. Die BewohnerInnen des Hauses schlafen und sammeln Kraft für die Renovierungsarbeiten. Lautes Klirren weckt das Haus. Um 4.30 Uhr schlagen vermummte BeamtInnen der WEGA die Fensterscheiben ein. Fünf Minuten später beginnen Spezialeinheiten das gesamte Haus zu durchkämmen. Die Polizei räumte das Haus ohne dass zuvor eine Aufforderung zum Verlassen des Gebäudes ausgesprochen worden war. Entgegen der Angaben der Polizei wurde den AktivistInnen dabei verwehrt, persönliche Gegenstände aus dem Haus mitzunehmen.
Dass eine Aktionswoche vom 02. bis 09. Oktober im besetzten Haus geduldet wird, hatten AktivistInnen aus Medienberichten erfahren. Die EntscheidungsträgerInnen der Stadt waren jedoch in den folgenden Tagen zu keinem Gespräch, nicht einmal zu einer telefonischen Stellungnahme zu bewegen.
"Diese Gesprächsverweigerung aktzeptieren wir nicht." meinte Stefan Schmal (26), "Wir haben deshalb beschlossen ins Rathaus zu gehen und nicht zu gehen bevor mit uns gesprochen wird. Anders ist es scheinbar leider nicht möglich." Rund 30 Personen haben deswegen das Büro von Wohnbaustadtrat Ludwig besetzt.
Das langfristige Ziel der heterogenen Gruppe von AktivistInnen ist die Etablierung eines, selbstverwalteten sozialen und kulturellen Zentrums auf umsonstökonomischer Basis. Offene Werkstätten, Ateliers, ein Kindergarten, eine Bibliothek, ein Cafe auf Spendenbasis, ein Schenkladen, kollektive Wohnräume und vieles mehr sollten in der Triester Straße verwirklicht werden. Grundlage für das gemeinsame Werken sind die ausgearbeiteten Grundsätze, zu finden unter http://hausprojekt.noblogs.org
Viele AnrainerInnen im abgelegenen Gebiet des 10. Bezirks zeigten sich erfreut über die Hausprojekteröffnung: "Mir gefällt die Idee. Das ist eine gute Initiative, gerade in dieser Gegend. Hier gibt es ja keinerlei kulturelles Angebot oder sonstige Infrastruktur." meinte etwa Verena Vößenhuber (43), die bei einem Spaziergang mit ihrem Hund auf das Projekt aufmerksam wurde.
Die AktivistInnen zeigten sich entsetzt angesichts des martialischen Vorgehens der Polizei: "Ich bin nur froh, dass meine Tochter heute nicht hier ist. Die Polizei hat die Räumung nicht ordnungsgemäß angekündigt und uns mitten in der Nacht überfallen und unsere Sachen mussten wir ebenfalls zurücklassen. Ich finde das untragbar!" meinte Emma G. (32).
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