Demo gegen Polizeigewalt mit Polizeigewalt

gepostet am 13. August 2009 - 17:43 von Demobericht 12.8. Wien

Gestern gab es eine weitere Demo gegen Polizeigewalt aufgrund der Todesschüsse auf Florian P.
Ca. 150 Menschen versammelten sich um halb 6 am Europaplatz. Nach einer Stunde Warten ging es lautstark die Mahü runter. Ein großes Polizeiaufgebot begleitete dabei die Demo. Vereinzelt solidarisierten sich Passant_innen und demonstrierten ein Stück weit mit, andererseits gab es aber auch ein paar lautstarke Provokationen und Beleidigungen.
Schon nach wenigen Metern, beim Generali-Center, wurde die Demo von behelmten Polizisten mit Schildern ohne ersichtlichen Grund gestoppt. Nach einem symbolischen Durchbruchsversuch, gingen die meisten Leute zurück, die Polizei blockierte sich durch die vielen Polizeiautos selber. In einer Nebenstrasse formierte sich Die Demo neu, und zog kreuz und quer durch den 7. Bezirk. Die Versuch, auf die 2-er Linie zu kommen, scheiterte. Dort warteten größere Polizeieinheiten, die die jeweiligen Strassen absperrten. Durch schnelles Hin- und Herlaufen dezimierte sich die Demo sehr schnell, und löste sich schlussendlich auf. Zu diesem Zeitpunkt wurde ein bengalisches Feuer gezündet, und von einigen, wenigen Demonstrant_innen die Personalien festgestellt. Es gab keine Verhaftungen.
Gleichzeitig gab es auch eine kleine Demo in Krems.

Anmerkungen:

Das Verhalten der Polizei war eine Riesensauerei. Es waren um einiges mehr Polizist_innen als Aktivist_innen anwesend. Durch die Begleitung im Spalier, durch die vielen Polizeiautos wurde die Demo optisch kriminalisiert, und jede Außenwirkung zunichte gemacht. Durch die großen Anwesenheit der Polizei wurde auch der Sinn der Demo - gegen Polizeigewalt- umgedreht, und wurde zu einer Demo für mehr Repression. Der Versuch, die Demo beim Generali-Center aufzulösen sowie die Personaliefeststellungen entbehrten jeder Grundlage. Die Demonstrationsfreiheit wurde so mit Füßen getreten. Es ist prinzipiell die gleiche Gewalt, die Florian P. erschoss.
Symptomatisch auch die Berichterstattung in den Medien: "Österreich" redete Angst vor Ausschreitungen herbei, Im Standard kam das bengalische Feuer in die Schlagzeilen, und vienna.at berichtet gar von 2 verletzten Polizisten- von dem massiven Polizeiaufgebot, von dem Versuch, die Demo aufzulösen stand nirgends ein Wort.

Viele Aktivist_innen waren enttäuscht über die geringe Anzahl der Teilnehmer_innen. Angesichts der Wichtigkeit des Themas, angesichts einer gesellschaftlichen Entwicklung, die meint, angefeuert durch Krone&Co., dass die Erschießung von "Kleinkriminellen" eh okay ist, war die Beteiligung sehr schwach.
Erfreulich hingegen, dass ein paar wenige Menschen wirklich spontan mitdemonstrierten. In Wien ist mensch diese Form der Solidarisierung nicht gewohnt, da rechnet mensch eher mit Eier, Beschimpfungen und Gewalt von Seiten der Passant_inen.

Zum Schluss noch ein Kritikpunkt: Die Entscheidung, sich nicht von der Polizei provozieren zu lassen, und stattdessen in einer Seitenstrasse die Demo neu starten zu lassen, war sicherlich richtig. Im Nachhinein betrachtet wäre es jedoch besser gewesen, nicht in Richtung Zentrum zu gehen, da dort die Polizei wartete, sondern Richtung Gürtel, um dort für ein Verkehrschaos zu sorgen. Doch um solche Entscheidungen in Stresssituationen zu treffen, braucht es Strukturen, um schnell gemeinsame Entscheidungen zu machen. Diese fehlen (momentan?) in Wien. Auch das schnelle Hin- und Herlaufen hatte zum Teil einen unsolidarischen Charakter, da auf die Leute, die nicht mitkamen, einfach "vergessen" wurde.

Warum beim Generali Center Schluss war...

...weil jemand von Revolution sich als Sprecher der Demo gab und dies mit der Polizei vor Beginn so vereinbarte (weil schließlich braucht das ganze Struktur, und nachdem die Autonomen angeblich so unorganisiert sind...). Fast schon Ironie, dass Revo & SLP dann beim Generalicenter für längere Zeit mehr oder weniger in einem Polizeikessel standen - während die "Autonomen" weiterdemonstrierten. Wer´s nicht glaubt, kann ja mal bei am 13. anwesenden Revo-Kadern nachfragen. Aber bloß nicht in eine Debatte über die dramatischen juristischen Folgen einer Spontandemonstration verstricken lassen - echt mühsam, sich von revolutionären Kadern über den Horror von Verwaltungsstrafen aufklären zu lassen ;-). Wenn ich dann vergleiche, wie problemlos die "autonome" Spontandemo eine Woche vorher geklappt hat...

mobilisierungsblog !!!

es ist echt an der zeit !!!!

....... organisierten widerstand auf die strassen bringen !!!!

mobilisieren mit allen mitteln . . . .
. . . . .
letzte woche war besser!!!!

grundsätzlich finde ich es

grundsätzlich finde ich es ok, wenn demos nicht angemeldet werden, angekündigt werden sollten sie aber schon. es ist klar, dass aufgrund knapper ressourcen und aufgrund der aktualität des vorfalls keine große mobilisierungskampagne gestartet werden konnte. aber nur über indymedia und private netzwerke zu mobilisieren ist einfach zu wenig. für leute die außerhalb der szene stehen ist es überhaupt nicht nachvollziehbar wer da aufruft und auch nicht möglich herauszufinden ob es sich sogar um einen fake handelt. abhilfe könnte zb ein kleiner mobilisierungsblog schaffen, denn auf indymedia kann eben jeder/r nicht verifizierte informationen veröffentlichen

Öhm... die Demo war nicht

Öhm... die Demo war nicht angemeldet, die Polizei wurde (noch vor den Zusammenstössen) mit Schimpfwörten tituliert und vereinzelt flogen bengalische Feuer und Kracher Richtung Polizei.

Da sind ganz schön viel

Da sind ganz schön viel Unwahrheiten in nur einem Satz:
1., Demos müssen nicht angemeldet werden
2., Es gab keine Zusammenstösse, die Polizei versuchte, die Demo ohne Grund aufzulösen.
3., Dass bei einer Demo gegen Polizeigewalt und nach der Erschiessung eines 14-jährigen die Polizei nicht gelobt wird, dürfte wohl klar sein. Umgekehrt hielten auch PolizistInnen mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg, und beleidigten Menschen aus der Demo.
4., Soviel ich weiss, gab es nur ein bengalisches Feuer ganz an Ende der Demo(war aber nicht die ganze Zeit dabei)

und? was genau soll daran

und? was genau soll daran schlimm sein? oder was willst du uns damit sagen?demos müssen im übrigen in österreich nicht angemeldet werden.

doch müssen sie.

außerdem ist die unwahrheit erzählen sehr beschissen.