Demobericht vom 9.8.09 Krems/Donau

gepostet am 10. August 2009 - 8:39 von acab!

Demobericht vom 9.8.09 Krems/Donau

Gegen 16 Uhr fanden sich am Bahnhofsvorplatz in Krems an die 100 Menschen ein, um gemeinsam an den am 5.8.09 von Polizeibeamten erschossenen Flo P. zu erinnern, sich mit den Angehörigen und FreundInnen zu solidarisieren und ein Zeichen gegen Polizeigewalt zu setzen. Etwa die Hälfte der TeilnehmerInnen war aus Wien angereist - die Spitze des Demozuges bildeten aber die FreundInnen und Bekannten von Flo P., vorwiegend Jugendliche im Alter zwischen 12 und 18, die lautstark ihre Wut und Trauer zum Ausdruck brachten. Zahlreiche MedienvertreterInnen waren anwesend, filmten und fotografierten heftig ohne Rücksicht auf die Privatsphäre der trauernden Menschen. FreundInnen von Flo P. sammelten Spenden für eine Gedenktafel, die beim Merkur, der Ort, an dem Flo P. mit einem Schuss in den Rücken von einem Polizeibeamten erschossen wurde, angebracht und an seinen Tod erinnern soll.

Gegen 17 Uhr setzte sich die Spontandemo in Richtung Kremser Innenstadt in Bewegung, begleitet von einem relativ geringem Polizeiaufgebot. Der Einsatzleiter war sich allerdings nicht zu blöd immer wieder die scheinbar für die Demo verantwortlichen Personen aus dem FreundInnenkreis von Flo P. anzulabbern und auf die Großzügigkeit der Behörde aufmerksam zu machen ("wir drücken eh beide Augen zu und lassen euch auf der Straße gehen"). Außerdem wurde von Seiten der Behördenvertretung immer wieder darauf hingewiesen, dass die Gedenkstätte am Merkurmarkt, also die aufgestellten Blumen, Erinnerungskarten und Kerzen verschwinden müssten. Gezielt wird gegen das teilweise extrem junge Umfeld von Flo P., das vollkommen unter Schock steht und teilweise mit der Situation überfordert ist, Druck ausgeübt und massiv schikaniert.

Die FreundInnen von Flo P. riefen immer wieder "Wen lieben wir? Flo! Wen vermissen wir? Flo! Wen hassen wir? Die Kiberei!", die anwesenden Menschen aus Wien beteiligten sich ua mit Parolen á la "Florian P, das war Mord, Widerstand an jedem Ort", "Freiheit für Roland - jetzt sofort!" oder Hass Hass Hass wie noch nie, all Cops are bastards - ACAB!" Anfangs waren die TeilnehmerInnen aus Krems sichtlich von den Sprüchen aus der Wiener Ecke überfordert bzw. wurden sie schlicht akustisch oder inhaltlich nicht verstanden (wer Alerta Antifascista! in diesem Kontext brüllt, hat wohl nicht viel von einem sensiblen Umgang mit bis dato eher unpolitischen Jugendlichen, die gerade einen Freund verloren haben, kapiert), auch liefen die beiden recht konträren Gruppen ziemlich getrennt nacheinander. Nach einiger Zeit begann sich allerdings die Demo zu durchmischen, mensch kam miteinander ins Gespräch und alle Anwesenden beteiligten sich lautstark an den Parolen.

Während der Route durch die Kremser Innenstadt schlossen sich immer wieder einzelne Menschen an und der Einsatzleiter versuchte mehrmals eher erfolglos das Flugzettel verteilen sowie das Spenden sammeln zu unterbinden ("Ihr habts keine Genehmigung dafür!"). Am Marktplatz (?) gab es dann einen vorbereiteten Redebeitrag aus Wien und anschließend die Möglichkeit für alle Anwesenden etwas mit oder ohne Megaphon zu sagen. Die MedienvertreterInnen waren zum Glück bereits abgezogen, was dann folgte, hätte wohl ihre Sensationslust nach Tränen und tragischen Momenten bei weitem erfüllt. FreundInnen und Bekannte von Flo P. brachten ihre Wut und Trauer um Flo auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck, manche weinten, andere schrieen ihren Hass auf die Polizei durchs Megaphon, andere waren wie gelähmt. Manche erzählten sehr persönliche ihre Eindrücke und Gefühle der letzten Tage, dass sie nicht verstehen können, wie wer auf ein Kind schießen kann, das gerade wegläuft, warum die PolizeibeamtInnen erst Tage später verhört werden und Roland gleich danach befragt wurde. Vollkommenes Unverständnis herrschte auch darüber, dass die Polizeibeamten in psychologischer Behandlung sind, während Roland in U-Haft sitzt und seine Familie aus den Medien von seinem Tod erfahren hat. Eine anwesende Frau meinte unter Tränen, dass sie ihren Sohn heute vertritt, der mit Flo befreundet gewesen war, aber selber nicht teilnehmen kann. Eine Freundin, die Roland in U-Haft besucht hatte, erzählte, dass die Beamten zu dem angeschossenen Roland noch im Supermarkt sagten, dass es hoffentlich ordentlich weh tue.
Eine Freundin von Flo P. bedankten sich für die Teilnahme der Leute aus Wien und kündigte weitere Aktionen an.

Dieser sehr berührenden und traurigen Momente wurde immer wieder von PassantInnen gestört, die lautstark ihre Meinung nach einer hart durchgreifenden Polizei kundtaten und die DemoteilnehmerInnen während der gesamten Route belästigten.
Nach Ende der Redebeiträge brach die Demo gemeinsam zum Bahnhof auf, wo sie sich gegen 19 Uhr auflöste.

Roland raus aus dem Knast!
Für eine lückenlose Aufklärung der Geschehnisse!
Polizei abschaffen!
Liebe und Kraft den Angehörigen und FreundInnen von Flo P. - wir denken an euch!

Ergänzungen

vielen dank für den schönen

vielen dank für den schönen bericht. hoffentlich folgen noch mehr aktionen. acab!

danke für den guten artikel -

danke für den guten artikel - ich hab es gestern so ähnlich empfunden.
viel kraft an die freundInnen von florian nach krems. eure geschichten gestern waren sehr berührend und teilweise unfassbar hart.

nennt ihr das etwa "freie

nennt ihr das etwa "freie meinungsäusserung, wenn ihr gegenargumente und postings, die nicht eurer gesinnung sind einfach löscht?? was habt ihr für ein demokratieverständniss- wenn es bei euch sowas überhaupt gibt? selber toleranz predigen und andererseits alle anderen abwürgen

echt super! :-((

kein platz fuer kibarei, nazikacke und troll_innen

das ist eine grundlage von indymedia, dass sich dadurch von den kommerziellen medien abgrenzt, wo fuer eine kritische sicht der dinge nie platz ist - und wo von vorn herein nur leser_innenbriefe zugelassen werden, die zu einem grossen teil als abscheulich und menschenverachtend sind. leider wird dies oft viel zu unkonsequent gehandhabt.
keine toleranz den hetzer_innen! basta! kapiert?

und warum werden dann normale

und warum werden dann normale posts von "gegendenkern" gelöscht? denn ich hab noch nichts rassistisches oder sonstige radikales hier reingeschrieben- radikal seids ihr ja eh selber....

nur find ich, wenn man eine "unabhängige und überparteiliche" medienseite ins netz stellt- so sollten sie für beide meinungen offen zu sein und eben nicht zensiert... weil zensur gibts in den meisten newsforen eh schon genug. und eure seite schaut auf den 2 blick für ein typisches grün und anarchoforum aus.

würde es toll von euch finden, wenn ihr andere meinungen auch toleriert und da drinnen stehen lasst! danke!

beleidigungen werden

beleidigungen werden gelöscht.sollest du mal was konstruktives posten, dann bleibt es stehn- so einfach ist das.

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