Forderungen an das Land Vorarlberg und die Stadt Feldkirch
Unsere Forderungen an das Land Vorarlberg und die Stadt Feldkirch sind kein Selbstzweck, sondern stehen im Kontext der gesellschaftlichen Situation in Vorarlberg.
Die Frage, die uns bewegt, ist die Frage nach Raum, Raum indem etwas neues entstehen kann, abseits von der allgegenwärtigen Ausbeutung und Verwertung menschlicher Kreativität durch eine Logik, die nur noch den Willen zu mehr Profit und Macht kennt. Wir wollen einen Raum, indem es wieder Möglichkeiten gibt, Utopien für ein gesellschaftliches Mitsein, dass Herrschaftsverhältnisse überwinden kann, offen ist, für eine Zukunft in der sich Begriffe wie Freiheit und Solidarität verwirklichen können.
Solch ein Raum kann natürlich nicht an einen geographischen Ort gebunden sein, sich in Vier Wänden von der Welt abschotten, weil es um den Lebensraum an sich geht, weil wirkliche Veränderungen immer im Gesamtkontext stehen. Der geographische Raum, den wir fordern, soll also lediglich eine Stätte sein, wo das Bedürfnis nach jenem utopischen Raum sich kulturell ausdrücken kann. Es ist uns auch deswegen wichtig, dass wir autonom sind, nicht von Wirtschaft und Parteien abhängig sind. Daher ist unsere einzige Forderung hier ohne Repression bleiben zu können.
Wir fordern Raum.
Wir wollen für diesen Ort keine Miete zahlen, genauso wie wir kein Geld für unsere gesellschaftliche Arbeit verlangen. Denn Geld, so wie wir es im Kapitalismus kennen, ist kein Maß für das, was die menschliche Arbeit ausmacht. Es ist Repräsentation der Macht, wie sie gesellschaftlich verteilt ist. Das heißt, dass ein paar Wenige viel davon haben und die Anderen wenig. Wir denken, dass unsere Kreativität und Arbeit, die wir in solch einem Kulturraum verwirklichen wollen, zur Genüge zeigt, dass es ein Mitsein ohne kapitalistische Verwertung geben kann. Wir fordern einen mietfreien Raum.
Unsere Motivation zu dieser Raumeinnahme ist vor allem aus einer konkreten Not entstanden, dass es in Vorarlberg defacto keinen Ort für eine selbstbestimmte und autonome Kulturarbeit gibt. Es fehlt ein soziales Zentrum. Diese Besetzung ist daher von einer Notwendigkeit getrieben, weil es Antwort auf einen Mangel ist- Mangel an Örtlichkeit für einen freien Geist. Daher ist es wichtig, dass wir die Herausforderung angenommen haben, dem einen Ort zu schaffen, wo wieder Perspektiven für Lebensräume möglich werden können.
Denn der Mangel ist Schein. Tatsächlich ist es so, dass es genug Raum und genug Möglichkeiten für alle gibt. Wir Leben in unendlicher Fülle. Doch es ist nur für Wenige zugänglich. Die Zugangsbeschränkung hat viele Gesichter: Wer nicht das Geld zum Konsum hat, wer nicht die richtige Hautfarbe und Herkunft aufweisen kann, wer nicht das richtige Geschlecht und sexuelle Orientierung hat, bleibt außen vor. Übrig bleibt eine Gesellschaft der Hierarchie, wo der einzige Sinn menschlicher Existenz darin besteht, dass mensch darum kämpft in der Hierarchie nach oben zu steigen, auf Kosten derer, die er unter seine Füße nimmt.
Wir fordern daher einen Raum für alle Menschen, die Diskriminierung auf Grund von Biologien ablehnen, die ein weltoffenes und solidarisches Dasein anstreben. Luxus für alle (sonst gibt’s Krawalle ;-) )
Unsere Forderung ist somit gleichzeitig ein Aufruf an Dich, am geöffneten Raum teilzunehmen, an der Frage nach Überwindung von Herrschaft zu paritzipieren, zu emanzipieren.
Ein anderes Leben ist möglich, ist notwendig.
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