'Nicht akzeptabel' - Zu den präsentierten Forderungen rund um den 'Tag des Bleiberechts'

gepostet am 30. August 2008 - 23:53 von Das Feld Name wird benötigt

Im Zusammenhang mit der Mobilisierungskonferenz für den dezentralen Aktionstag für Bewegungs- und Bleibefreiheit am 10. Oktober 2008 fand eine Pressekonferenz statt, zu der einige NGOs und karitative Organisationen geladen hatten. Ein relativ prominent besetztes Podium präsentierte dort "Forderung", die nicht mit denen vieler Aktivist_innen vereinbar sind. So ist bezeichnend, dass einige der Sprecher_innen für den Aktionstag selbst nicht an den Vorbereitungskonferenzen teilnahmen. Der folgende Artikel behandelt anhand der Berichterstattung über die Pressekonferenz die vorgeblichen Ziele des Aktionstages, die der medialen Öffentlichkeit präsentiert wurden.

Auffällig bei den Berichten ist, dass sie lediglich ein Bleiberecht für Asylwerber_innen thematisieren. Dies steht im klaren Gegensatz zur Position von zahlreichen Aktivist_innen, die sich an der bisherigen Vorbereitung des Aktionstages beteiligten. Mehrmals wurde darauf hingewiesen, dass es um eine grundsätzliche Problematisierung der rassistischen Migrationspolitik geht - und in der Folge um eine grundsätzliche Änderung. Auch wenn die Positionen sehr unterschiedlich sind, fällt auf, dass viele Forderungen entweder einfach vergessen oder ignoriert wurden. (Wobei sich diese Kritik nicht nur auf die Pressekonferenz bezieht.)

Ein Beispiel ist ein unabhängiger Aufenthaltstitel für Frauen, denn nach wie vor ist es so, dass das Visum vieler Frauen ohne EU-Pass an das eines Mannes gekoppelt ist. Für Frauen ist der Zugang zum offiziellen Erwerbsarbeitsmarkt - mit Ausnahme "frauenspezifischer" Tätigkeiten wie Pflege, Haus- oder Sexarbeit, die ohnehin einen rechtlichen Graubereich darstellen - oft versperrt.

Gleichzeitig wird aber auf die Tränendrüse gedrückt, wenn Familien mit Kindern ins Bild gerückt und auf Emotionen gesetzt wird. Denn mit dieser Argumentationsweise wird ein Diskurs, der Migrant_innen - Männer wie Frauen und Kinder - als kriminell brandmarkt, unterstützt, anstatt sich klar gegen diese rassistische Hetze zu äußern.

Es gibt zwar auch eine im Parlament vertretene Partei, deren Obmann versprach, "die Initiative der Zivilgesellschaft für ein Bleiberecht" zu unterstützen, doch sollte nicht vergessen werden, dass eben dieser Van der Bellen schon vor Jahren Migrant_innen auf ihre "Nützlichkeit" reduzierte, und mit diesem Argument den Zuzug von ausgewählten Migrant_innen - als Arbeitskräfte - forderte. Die Formel dahinter lautet: "Wir" brauchen Migrant_innen - um "unseren" Wohlstand zu erhalten. In diesem Diskurs hat ein wenig Mitgefühl für ein paar "arme Flüchtlinge" durchaus Platz. Im Grünen Wahlprogramm 2008 ist zum Thema Bleiberecht lesen: "bleiberecht statt gnadenakt. Gut integrierte Familien zerreißen, qualifizierte junge Menschen, die in Österreich ihren Beruf erlernt haben, abschieben – das ist unmenschlich und dumm. Wer bleiben will, soll das Recht haben, einen Antrag zu stellen. Ein ordentliches Verfahren mit einer klaren Entscheidung – das ist die Alternative zur Willkür von Haider und Fekter."

Was sagt dieser Absatz aus: Ein "Bleiberecht" soll es nur für Familien geben, mit dem Zusatz "gut integriert". Auffällig ist auch, dass "qualifizierte junge Menschen" extra genannt werden, was hervorragend in den Diskurs um die "Nützlichkeit" passt. Wie wenig ernst es die Grünen mit tatsächlichen Rechten meinen, zeigt sich in der Forderung des Rechts, "einen Antrag zu stellen" in Verbindung mit einem "ordentliche(n) Verfahren mit einer klaren Entscheidung". Wenn das alles ist, was von den Grünen zu erwarten ist, dann ist das nicht mehr, als sie in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen haben. Somit relativiert das Programm die Aussage des Obmannes, der anlässlich der Mobilisierungskonferenz in Aussendung bekundete: "Seit fast zwei Jahren kämpfen die Grünen für das Bleiberecht."

Dass Van der Bellen und die Grünen angesichts der beschriebenen Fakten kein Problem haben, einen "Tag des Bleiberechts" zu unterstützen, wird nach einen Blick in die Berichte klar, die nach ein Pressekonferenz am 29. August 2008 erschienen sind. Wobei anzumerken ist, dass sogar der ORF unter der Rubrik Religion über den Tag des Bleiberechts berichtete, als ob dies nichts mit Politik zu tun hätte?

Auf stephanscom.at ist zu den Positionen, die auf einer Pressekonferenz von den "Initiator_innen" des Aktionstages im Oktober verkündet wurden, zu lesen: Im Mittelpunkt des Forderungskataloges steht die klare rechtliche Ausgestaltung des Bleiberechts. Diese müsse ein Antragsrecht und einen Instanzenzug umfassen. Zudem brauche es für all jene Asylwerber[_innen] ein Bleiberecht, die bereits länger als fünf Jahre in Österreich leben und auf ihr Asylverfahren warten. Für Anträge, die durch den Asylgerichtshof abgelehnt wurden, sei es notwendig, eine unabhängige Berufungsinstanz auf Bundesebene einzurichten. Außerdem müssten Asylwerber[_innen] Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten. Dabei schätzen die Initiator[_inn]en die Zahl der von einer Bleiberechtsregelung betroffenen Asylwerber[_innen] in Österreich auf 10.000."

Hier werden jene Forderungen dargestellt, die in den letzten Monaten massiver Kritik ausgesetzt waren. Denn diese berücksichtigen nicht, dass auch unzählige Menschen von Abschiebung bedroht sind, die keinen Asylantrag gestellt haben oder keinen stellen wollen. Über verschiedene Gesetzesänderungen in den vergangenen Jahren wurde vielen, obwohl sie schon lange in Österreich lebten oder sogar hier geboren sind, der Aufenthaltstitel entzogen. Und noch etwas wird klar aus dieser Formulierung: Das Bleiberecht wird an Bedingungen geknüpft. Damit stellt sich die Frage: Ist es ernst gemeint mit der Forderung von Rechten? Oder wollen jene, die derartige Forderungen aufstellen, trotz aller Beteuerungen, dass es nicht so sei, lediglich einen "Gnadenakt"?

In ihrem Programmpapier tritt die Plattform Bleiberecht aus Innsbruck für ein "humanes Bleiberecht" ein. Doch anders als aus oben beschriebenen Forderungen wird klar gestellt:
"Ein Bleiberecht darf nicht zu einem Privileg werden, das lediglich unter bestimmten Voraussetzungen gewährt oder versagt werden kann. Denn jede Regelung, die das Bleiberecht an Voraussetzungen knüpft, wie Dauer des Aufenthalts oder Grad der Integration, schließt ganze Gruppen von Menschen vom Recht, sich in Österreich sicher aufzuhalten aus, und privilegiert damit einige wenige MigrantInnen, während andere um so mehr unter Druck kommen, abgeschoben zu werden. Es ist inkonsequent und unlogisch, ja eigentlich zynisch, von Mitmenschen, denen man bisher keine Möglichkeiten geboten hat, sich im Alltag des gesellschaftlichen Lebens zu integrieren, zu fordern, sie sollten die eigene Integration nachweisen, um sicher in Österreich bleiben zu dürfen. Daher ist es in jedem Fall Aufgabe der politisch Verantwortlichen, jene Möglichkeiten zu schaffen, die die Integration von Mitmenschen, deren Zukunft momentan noch unsicher ist, ermöglicht."

In einem offenen Brief hat die Plattform aus Innsbruck die Forderungen, die im Rahmen der Pressekonferenz und schon länger auf Foldern, Plakaten und diversen Seiten im Internet präsentiert wurden, massiv kritisiert. Doch weder diese Kritik, noch jene Kritik, die im Rahmen der bisherigen Bleiberechtskonferenzen geäußert wurden, scheint angekommen zu sein. Die Verantwortlichen halten sich dazu bedeckt und sagen lediglich, sie wollen keine_n vereinnahmen und alle hätten das Recht, selbst Forderungen zu stellen und Aktivitäten am "Tag des Bleiberechts" zu setzen.

Gleichzeitig wird wie so oft beklagt, dass die "Betroffenen" nicht teilnehmen. Doch, diese Frage muss gestattet sein: Wer gilt als betroffen? Sind es die "gut integrierten Familien"? Oder sind doch alle von Abschiebung bedrohten Menschen gemeint? Dazu passt die immer wieder gestellte Frage: "Habe ich keine Rechte?", der schon auf der Bleiberechtskonferenz in Linz von einigen mit Ignoranz begegnet wurde.

Ein weiterer Kritikpunkt dreht sich um die Neuwahlen, die kurz vor dem Aktionstag stattfinden werden - und deren Termin erst viel später festgelegt wurde, als jener des Aktionstages. So wird auf religion.orf.at berichtet: "Eine Wahlempfehlung oder "Warnung" gibt es vom Forum Asyl nicht." Trotzdem wird im Artikel auf stephanscom.at ein Bezug zu den Neuwahlen hergestellt: "Der 10. Oktober, der zum "Tag des Bleiberechts" erklärt wurde, soll unter anderem mit einem österreichweiten "Sesselmeer" begangen werden. In allen Landeshauptstädten werden zeitgleich auf öffentlichen Plätzen Sessel aufgestellt - zum Zeichen dafür, dass in Österreich für Asylwerber[_innen] durchaus Platz vorhanden ist. Durch die Aktion soll Druck auf die möglichen neuen Regierungsparteien ausgeübt werden, die Einrichtung eines Bleiberechts voranzutreiben."

Vergessen wurde offenbar, dass das Sesselmeer samt seiner problematischen Inhalte nur einen Teil der geplanten Aktionen darstellt. In keinem der gefundenen Berichte war von einer doch viel breiteren Mobilisierung zu lesen - und auch die sich widersprechenden Positionen dürften den Medien verschwiegen worden sein. Somit wird in den Berichten ein harmonisches Bild der geplanten Proteste gezeichnet, das jedoch nicht der Realität entspricht.

Auch dass die Kirchen den Tag als Podium nutzen werden, überrascht. So erhielt ein Bischof als prominenter Sprecher bei der Pressekonferenz das Wort. kathpress.at berichtete: "Der evangelische Bischof Michael Bünker unterstrich, dass die im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRKÖ) vertretenen christlichen Kirchen in Österreich sowie die Islamische Glaubensgemeinschaft und die Israelitische Kultusgemeinde diese Forderungen ebenfalls mit Nachdruck unterstützen. Derzeit herrsche in Österreich ein "Gnadenrecht" bei der Vergabe von humanitären Aufenthaltstiteln. Dieses müsse dringend durch ein klar strukturiertes Bleiberecht ersetzt werden."

An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass es in den vergangenen Monaten immer wieder Initiativen von einzelnen Pfarren oder Kirchenvertreter_innen zur Unterstützung von Abschiebung bedrohter Menschen gab. So ist es einerseits erfreulich, dass viele Organisationen und Menschen zu Protesten am Aktionstag aufrufen, andererseits lässt die Art und Weise, wie sich manche Organisationen in der Öffentlichkeit präsentieren, eine geplante Vereinnahmung der Proteste vermuten. Dies verwundert um so mehr, da der Presseevent in den Aussendungen zu Mobilisierungskonferenz nicht erwähnt wurde, obwohl auf der Konferenz selbst ein Workshop zur Öffentlichkeitsarbeit angeboten wurde. (So wie alle Workshops war auch dieser von den Organisator_innen bereits im Vorfeld festgelegt und geplant.) Dies ist nur einer von vielen Widersprüchen, die sich auftun.

Deshalb erscheint es notwendig, den selbst ernannten Vertreter_innen der "Zivilgesellschaft" mitzuteilen, dass nicht nur die derzeitige Asylpolitik "nicht akzeptabel" (Bünker) ist, sondern auch ihr Verhalten nicht unbedingt als vertrauensfördernd gewertet werden kann. Dass sich viele der Involvierten dabei in einem Spannungsfeld zwischen institutionellen Zwängen und der Ablehnung einer menschenverachtenden Politik befinden, soll nicht ausgeblendet werden. Denn immerhin könnten allzu kritische Äußerungen der beruflichen Laufbahn im Wege stehen.

Wie sich der dezentrale Aktionstag am Freitag, dem 10. Oktober 2008 entwickeln wird und welche Forderungen an die Öffentlichkeit dringen, wird sich zeigen. Jedenfalls scheint allein der Umstand, dass der Tag bereits umgetauft wurde in einen "Aktionstag für Bewegungs- und Bleibefreiheit" ein deutlicher Hinweis darauf zu sein, dass es nicht nur um symbolische Bekundungen und eine "Reparatur von Gesetzen" gehen wird, sondern auch um eine tatsächliche Veränderungen. Ob dies mit den Positionen karitativer, auf Spendengelder oder staatliche Subventionen angewiesener Organisationen vereinbar ist, müssen diese letztendlich für sich selbst entscheiden.

Informationen zur Mobilisierungskonferenz für den Aktionstag:
* Für Bewegungsfreiheit: Mobilisierung für dezentralen Aktionstag am Fr, 10. Oktober 2008
* bericht von der mobilisierungskonferenz zum tag des bleiberechts (10.10.08) - oton
* Mobilisierungskonferenz 'Bleiberecht' - Bericht, Fotos, Audios

Bilder: 
Sessel als Symbol für "genügend Platz" und den Aktionstag auf bleiberecht.at

Ergänzungen

ZEBRA-Stellungnahme zum Thema "Bleiberecht"

[b]Die gegenwärtige Situation[/b]

Die aktuell geführte Debatte zum Thema „Bleiberecht“ wäre vermeidbar gewesen, hätte die Politik es nicht, entgegen aller Ankündigungen, jahrelang verabsäumt, die Dauer der Asylverfahren entscheidend zu verkürzen und Gesetze zu beschließen, die die Situation einfacher statt komplizierter machen.

Stattdessen ist man in Österreich mit einer Situation konfrontiert, in der Asyl- und Fremdengesetze aufgrund rechtlicher Mängel vom Verfassungsgerichtshof zum Teil wieder aufgehoben werden und in der die Asylverfahren nach wie vor viel zu lange dauern.

Kein Wunder, denn die bestehende Gesetzeslage ist äußerst kompliziert: Unterschiedliche Versionen des Asylgesetzes haben nebeneinander Gültigkeit und gelangen, je nach Art und Beginn des Verfahrens, auch zur Anwendung. Zudem sind trotz Personalaufstockung in jüngster Zeit die für die Asylverfahren zuständigen Behörden immer noch unterbesetzt, was sich auf Dauer und Qualität der Verfahren auswirkt: Viele Verfahren gehen in die zweite Instanz und werden dort oft revidiert.

All das hat zur Folge, dass Menschen jahrelang auf eine rechtsgültige Entscheidung über ihren Asylantrag warten müssen. Während dieser Wartezeit sind die AsylwerberInnen durch ihren rechtlichen Status in vielen Punkten (Arbeitsrecht, Mobilität, Zugang zu Bildung) benachteiligt. Wenn endlich, meist Jahre nach der Antragstellung, eine Entscheidung fällt, hat sich die Situation der Menschen oft grundlegend geändert: Sie haben mittlerweile ihren Lebensmittelpunkt in Österreich, ihre Kinder wurden hier geboren, wachsen hier auf und sprechen in vielen Fällen besser Deutsch als die Sprache des Herkunftslandes ihrer Eltern. Sollte das Asylverfahren dann negativ ausgehen, bedeutet die damit verbundene Abschiebung in dieser Situation einen massiven Eingriff in das Privat- und Familienleben, was nach Ansicht vieler, wie zum Beispiel des Verfassungsjuristen Dr. Bernd-Christian Funk, im Widerspruch zur Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) steht.

Andere europäische Länder dagegen gehen mit gutem Beispiel voran und haben bereits einheitliche und überschaubare Aufenthaltsregelungen eingeführt. Wer sich eine bestimmte Zeitspanne im Land aufhält, hat beispielsweise in Schweden oder den Niederlanden die Möglichkeit, ein Bleiberecht zu beantragen.

[b]Forderungen[/b]

Vor diesem Hintergrund und im Anschluss an die Positionspapiere anderer Organisationen fordert ZEBRA eine menschenrechtskonforme Bleiberechtsregelung in Form eines fairen, rechtsstaatlichen Verfahrens. Derzeit bleibt es der Innenministerin bzw. dem Innenminister vorbehalten, in Härtefällen nach eigenem Ermessen zu entschieden – was, wie viele kritisieren, de facto einem Gnadenakt gleichkommt. Aus diesem Grund hat auch der österreichische Verfassungsgerichtshof im Juni 2008 Teile des Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes (NAG) als verfassungswidrig aufgehoben und stattdessen ein rechtsstaatliches Verfahren eingefordert.

Ebenso tritt ZEBRA dafür ein, dass jede und jeder, der oder die länger als fünf Jahre in Österreich lebt, ein Bleiberecht erhalten soll. Mehr als fünf Jahre nach Einbringung des Asylantrags treten Fragen des Asylrechts im Vergleich zu jenen des Bleiberechts in den Hintergrund. Für alle, die sich mindestens drei Jahre in Österreich aufhalten, fordert ZEBRA die Möglichkeit, ein humanitäres Bleiberecht zu beantragen.

[url=http://www.zebra.or.at/aktuelles/2008/080829_stellungnahme.pdf]Diese Stellungnahme als pdf[/url]
[url=http://www.zebra.or.at]zebra - Interkulturelles Beratungs- und Therapiezentrum in Graz[/url]

Das sagt die Linkswende

[i]Der 10. Oktober wurde von mehreren Organisationen zum Tag des Bleiberechts erklärt.[/i]

[i]Unter den beteiligten Organisationen finden sich die ARGE MigrantInnenberatung Österreich, die asylkoordination Österreich, die Caritas Österreich, die Diakonie Österreich, das Integrationshaus, Land der Menschen, das Rotes Kreuz, SOS Mitmensch und die Volkshilfe Österreich. Aber auch zahlreiche NGOs und Privatpersonen beteiligen sich am Tag des Bleiberechts mit diversen Aktionen.[/i]

[i]Schon das weite Spektrum der oben angeführten Organisationen lässt auf sehr breit gefächerte Interessen schließen. Trotzdem konnte man sich auf einige grundlegende Forderungen einigen: einhergehend mit der Abschaffung des „Fremdenrechtspakets 2005“, das am 1. Jänner 2006 in Kraft trat und zahlreiche Verschärfungen der rassistischen Sondergesetzgebung für Ausländer/innen (aus Nicht-EU-Ländern) brachte, sind dies: eine menschenwürdige Bleiberechtsregelung mit Antragsrecht und Instanzenzug, wie auch vom Verfassungsgerichtshof gefordert, eine Sanierung des Asyl-Rückstaus durch eine einmalige Stichtagsregelung nach fünf Jahren und "einen Kurswechsel in der Fremdenpolitik, weg von wahlpolitischen Überlegungen hin zu sachgerechten Lösungen".[/i]

[i]Als gemeinsame Aktion einigte man sich auf ein österreichisches Sesselmeer, das zeigen solle, dass "es nicht am Platz mangelt, sondern an den rechtlichen Rahmenbedingungen".[/i]

[i]Treffpunkt für das Sesselmeer in Wien ist um 10 Uhr der Ballhausplatz. Abseits dieser Aktion wird es Demonstrationen und Kundgebungen sowie diverse andere Aktionen geben.[/i]

[i]In Wien wird es um 16 Uhr eine Demonstration für Bewegungs- und Bleibefreiheit geben. Treffpunkt ist die Ecke Mariahilferstraße/Museumsquartier - beim Marcus Omofuma Stein.[/i]

[i]Der größte Diskussionspunkt der Debatte rund um das Bleiberecht ist die oben genannte „Stichtagsregelung nach fünf Jahren“. Linkswende und diverse andere Organisationen fordern stattdessen einen Abschiebestopp und ein BLEIBERECHT FÜR ALLE. Um diese Position zu stärken, müssen sich möglichst viele Menschen am Tag des Bleiberechts und seinen Aktionen beteiligen.[/i]

Quelle: http://linkswende.org/veranstaltungen/11-veranstaltungen/1490-tag-des-bl...

[b]Was dabei nicht stimmt:[/b]
Eine "menschenwürdige Bleiberechtsregelung" war nie ein Konsens - vielmehr stellt für viele ein kompromissloses Bleiberecht den Minimalkonsens dar. Noch untragbarer wird die "menschenwürdige" Forderung durch den Zusatz "mit Antragsrecht und Instanzenzug" - denn schlussendlich wird die Forderung darauf reduziert, dass Menschen in Zukunft das Recht haben sollen, einen Antrag stellen zu dürfen. Diese Forderung ist noch inhaltsleerer als die im Text kritisierte "Stichtagsregelung nach fünf Jahren" - diese von einigen Leuten irgendwann irgendwo "ausgemachten" Forderungen wurde nie zur Diskussion gestellt - sehr wohl aber im Zuge der Vorbereitungskonferenzen kritisiert kompromisslos abgelehnt.

Und zur "gemeinsamen Aktion": Das Sesselmeer ist nicht mehr als eine Aktion unter vielen. Der einzige Unterschied ist, dass sie an mehreren Orten statt findet. Wäre es eine "gemeinsame Aktion", würden sich wohl alle "gemeinsam" daran beteiligen. Das wurde aber bei den Mobilisierungskonferenzen klar abgelehnt und auf die Dezentralität hingewiesen, die die eigentliche Stärke der Proteste gegen Abschiebungen ausmacht. Ein weiterer Grund ist die inhaltliche Symbolik der Aktion (die sehr an das Lichtermeer erinnert) und sich in einem "es ist genug Platz" erschöpft, anstatt den Rassismus konkret und punktuell anzugreifen.

Der einzige Punkt, der je in den offenen Diskussionen Zustimmung fand, ist die Ablehnung des Fremdenrechtspaketes 2005. Davon auf die anderen Punkte zu schließen, ist eine Verdrehung der Tatsachen!

Presseaussendung der Volkshilfe, 2008-08-18

Bleiberechtskonferenz am 29. August in Wien

Um die Umsetzung einer menschenwürdigen Bleiberechtsregelung voranzutreiben, findet am Freitag, den 29. August 2008 in Wien eine weitere Bleiberechtskonferenz statt. Die Einladung erfolgt durch zahlreiche NGOs aus dem Flüchtlings- und Menschenrechtsbereich. Ziel der eintägigen Konferenz ist die Vorbereitung landesweiter Aktivitäten zum "Tag des Bleiberechts" (10.Oktober 2008). Veranstaltungsort ist das AK-Bildungszentrum in der Theresianumgasse 16-18, 1040 Wien. Die Veranstaltung ist öffentlich.

Die OrganisatorInnen verweisen auf das jüngste Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes. In diesem wird die Bundesregierung mit der Reperatur der "Humanitären Aufenthalt"-Regelung beauftragt. In einem Appell erklären die NGOs den 10. Oktober zum Tag des Bleiberechts. Darin appellieren diese auch an Wirtschaft, Politik, Interessensverbände und Zivilgesellschaft, einen Beitrag zur "notwendigen Debatte über eine menschenwürdige Bleiberechtsregelung zu leisten."

Konkret in Planung ist ein österreichweites "Sesselmeer". Damit soll gezeigt werden, dass es nicht an Platz für hier verwurtzelte MigrantInnen und Flüchltinge mangelt, sondern an fairen Regelungen, die den Anspruchsberechtigten einen Zugang zu ihrem Recht ermöglicht. In den Bundeshauptstädten sollen zeitgleich Sesseln an öffentlichen Plätzen aufgestellt werden. Auch die Bevölkerung ist aufgerufen, Sitzmöbel zu bringen, oder am eigenen Wohnort ein paar Sessel an
öffentlichen Plätzen aufzustellen.

Die beteiligten Organisationen sind die ARGE MigrantInnenberatung Österreich, die asylkoordination Österreich, die Caritas Österreich, die Diakonie Österreich, das Integrationshaus, Land der Menschen, das Rote Kreuz, SOS Mitmensch und die Volkshilfe Österreich.

Quelle: http://www.volkshilfe.at/1068,198-2008,,2.html

Mehr zur Bleiberechtskampagne bei der Volkshilfe: http://www.volkshilfe.at/1227,,,2.html

Die 'nicht akzeptablen' Forderungen zusammengefasst

Die Organisationen gehen selbst mit bereits bekannten Forderungen in die Diskussion:
1) Eine menschenwürdige Bleiberechtsregelung mit Antragsrecht und Instanzenzug, wie auch vom Verfassungsgerichtshof gefordert.
2) Eine Sanierung des Asyl-Rückstaus durch eine einmalige Stichtagsregelung nach fünf Jahren.
3) Und "einen Kurswechsel in der Fremdenpolitik, weg von wahlpolitischen Überlegungen hin zu sachgerechten Lösungen".

Aus der Einladung für die Mobilisierungskonferenz auf: http://asyl.at/fakten_1/asyl_2008_15.htm

Grüne und Bleiberecht - Info

4. Enquete der Grünen zum Bleiberecht
Beiträge von Rechtsexperten aus Österreich und Deutschland

Am 17. Dezember 2007 veranstalteten die Grünen im Parlament eine Enquete zum Thema Bleiberecht.

Univ. Ass. Dr. Metin Akyürek von der Universität Salzburg widmete sich der Frage der Verfassungsmäßigkeit eines Bleiberechts: Grundsätzlich gibt es keine Verfassungsnorm, die Ausländern das Recht auf Aufenthalt im Inland garantiert. Aus Art. 8 der EMRK (Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens) ergäbe sich aber unter Umständen eine Verpflichtung des Staates, sich einer (aufenthaltsrechtlichen) Handlung zum Nachteil der Betroffenen zu enthalten.

Der Rechtsanwalt Dr. Wolfram Steckbeck aus Nürnberg gab einen Einblick in die deutsche Altfallregelung die seit November 2006 in Kraft ist: Von knapp 180.000 potentiell Betroffenen haben ca. 72.000 einen Antrag gestellt und knapp 20.000 die Aufenthaltserlaubnis erhalten. Familien können ab einer Aufenthaltsdauer von sechs Jahren den Titel beantragen, Alleinstehende und Paare ohne Kinder ab acht Jahren. Weitere Voraussetzungen sind einfache Sprachkenntnisse, Unabhängigkeit von Sozialhilfe und Straffreiheit.

Schließlich stellten Dr. Josef Rohrböck, Dr. Sebastian Schumacher und Mag. Andreas Lepschi einen grünen Initiativantrag für ein Bleiberechtsgesetz 2007 vor. Der Entwurf sieht eine Bleiberecht für Asylwerber vor, die vor mehr als drei Jahren ihren Asylantrag gestellt haben, ihren Mitwirkungspflichten im Asylverfahren nachgekommen und nicht straffällig geworden sind. Für andere, gut integrierte Personen sieht der Entwurf ab einer Aufenthaltsdauer von fünf Jahren und bei Relevanz des Art. 8 EMRK ein Bleiberecht vor, das durch die Bezirksverwaltungsbehörden im Rahmen einer Einzelfallprüfung zuerkannt werden soll.

Weitere Informationen:
http://www.gruene.at

Quelle: http://www.roteskreuz.at/meta/berichten/publikationen/newsletter/migrati...

Ankündigung von Land der Menschen Oberösterreich

TAG DES BLEIBERECHTS

BLEIBERECHT JETZT
Hiermit erklären wir den 10. Oktober 2008 zum österreichweiten Tag des Bleiberechts. Damit wollen wir auf die Notwendigkeit einer menschenwürdigen Bleiberechtsregelung hinweisen. Wir appellieren an Wirtschaft, Politik, Interessensverbände und Zivilgesellschaft, einen Beitrag zu dieser notwendigen Debatte zu leisten. Am 29. August richten die IntiatorInnen eine Mobilisierungskonferenz in Wien aus, bei der gemeinsame Aktivitäten für den Tag des Bleiberechts vorbereitet werden. Konkret wird bereits an einem "Weißbuch" gearbeitet, das die menschenrechtlichen und praktischen Voraussetzungen einer Bleiberechtsregelung aus Sicht der NGOs festlegt. Weiters ist ein landesweites "Sesselmeer" in Planung, das zeigen soll, dass "es nicht am Platz mangelt, sondern an den rechtlichen Rahmenbedingungen". Die beteiligten Organisationen sind die ARGE MigrantInnenberatung Österreich, die asylkoordination Österreich, die Caritas Österreich, die Diakonie Österreich, das Integrationshaus, Land der Menschen, das Rote Kreuz, SOS Mitmensch und die Volkshilfe Österreich. Nähere Informationen finden sich unter www.tagdesbleiberechts.at oder www.bleiberecht.at .
Beginn: 10.10. 2008, 10:00
Veranstaltungsort: ÖSTERREICHWEIT

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