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Japan: No G8 beginnt unerwartet [+Reisetipps]

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24.6.2008., 17:49

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黒色

Eine spontane Demonstration von ArbeiterInnen in Nishinari
entwickelt sich zu einer – für „japanische Verhältnisse“ - unerwartet entschlossenen Auseinandersetzung. Damit beginnt auch aus Sicht der GipfelstümerInnen der Protest gegen die G8 unerwartet: mit solche einer kämpferischen Stimmung zum Beginn der G8-Tage hat niemand gerechnet. Die Ironie der Geschichte ist, dass nicht eine Koordination zwischen den NoG8-AktivistInnen und den ArbeiterInnen von Nishinari, sondern das Auftreten der RiotPolizei in G8-Stimmung den Zusammenhang hergestellt hat. [+ am Schluss des Artikels: Tipps zur Einreise nach Japan: Komme wer kann!]

Osaka ist für Leute mit politisch-historischen Kenntnissen im Kontext Japan ein Begriff wenn es sich um entschlossene ArbeiterInnenkämpfe handelt. Zwischen 1961 und 1992 gab es über 20 Aufstände von ArbeiterInnen, die nicht nur klassische Forderungen nach „mehr Lohn bei weniger Arbeit“ beanspruchten, sondern auch stets den repressiven Staat als solchen anprangerten. Das Letztere war dann auch ausschlaggebend für die erneuten Ereignisse.
Die Rebellionen von Osaka, die nun seit 16 Jahren scheinbar in einer alltäglichen Ruhe von Tagespolitik und deren Probleme übergangen waren, entflammte sich zeitgleich mit dem Beginn der G8, namentlich dem G8-Finanzminister-Treffen in Osaka aufs Neue. Was zunächst mit einer Beschwerde vor dem Polizeirevier von Nishinari (einem Stadtteil von Osaka) begonnen hatte, entzündete altbekannte Zeiten.

Grund war zunächst, dass ein Arbeiter in einem Restaurant nicht bedient wurde, weil er angeblich nicht in das Bild des Lokals passe würde, er stinke usw. Dies empfand der Arbeiter – verständlicherweise – als Diskriminierung wegen seiner „Klassenzugehörigkeit“ und regte sich im Lokal auf, wollte sich bei der Geschäftsführung beschweren. Diese wollte nicht mal zuhören und verständigte die Polizei verständigte. Auf dem Polizeirevier wurde die Situation nochmal gestiegert, dort gab es neben weiteren Beschimpfungen obendrauf auch noch Tritte und Schläge.
Nach seiner Entlassung erzählte der Arbeiter, was ihm widerfahren war anderen ArbeiterInnen, die dann gemeinsam nochmals vor das Polizeirevier gingen, um ihre Besorgnis gegen diese charakteristische Behandlung von Menschen aus unteren Schichten kund zu tun. Das war am 12.Juni um ca. 18:30.

Soweit nichts außergewöhnliches. Repressionen des Alltags. Auch die Reaktion der Betroffenen ist – normalerweise – für die Polizei nicht weiter aufregend, wenn sich ein paar Dutzend ArbeiterInnen vor dem Revier kurz über irgendwas aufregen müssen. Doch diesmal anders: schliesslich haben wir G8 in der Stadt – und das bedeutet, die Polizei (wegen angeblich gewaltbereiter Bedrohung der Sicherheit durch Proteste von G8-GegnerInnen) einen besonderen Film am laufen. Also war der geniale Plan mit Hundertschaften von Riotcops vor dem Polizeirevier aufzutauchen und Macht – das heisst Gewalt – zu demonstrieren. Die Riotcops gingen in passender Manier zu ihrem Outfit gegen die ArbeiterInnen vor. Doch der Plan ging in die umgekehrte Richtung los: innerhalb kurzer Zeit machten die Ereignisse die Runde und es wurden immer mehr Menschen, vor allem ArbeiterInnen aus der Gegend, die sich vor dem Polizeirevier Nishinari sammelten und diesen immer wieder angriffen. Dazu kam, dass wegen den G8 jede menge internationale Presse anwesend war und somit sich eine Möglichkeit für die ArbeiterInnen bot, ihre Probleme in einen breiteren Kontext zu stellen. Die Riots dauerten 5 Nächte, bis zum 17.Juni – der Nachhall zieht weite Kreise...

Das ironische Fazit von Osaka: Die Polizei gehört zu jeder guten Aktion einfach dazu.

Video (Kommentar auf italienisch):
http://www.skylife.it/application/html/732/singolo_mondo_73232.html
http://www.frontierproductions.jp/web_osaka_protests.mov

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Wie versprochen Tipps für die Einreise, für alle, die den No-G8 Protest in Japan nicht versäumen wollen:

Es gab zwar AktivistInnen (vor allem aus Korea) denen die Einreise nach Japan verwehrt wurde, doch überwiegend können Leute problemlos einreisen (bis jetzt konnten sogar Personen, die auf sogenannten „schwarzen Listen“ in Europa stehen, einreisen). Für Einreisende mit europäischen Pass – das liegt am globalen Rassismus – scheint es ohnehin kaum Schwierigkeiten zu geben.

Wenn es bei der Grenze zu Probleme geben sollte, haben Rechtsanwälte von legal team gemeinsam mit Amnesty Intenational eine Hotline eingerichtet. Die Teilnahme an einer Demonstration ist kein rechtlicher Grund, um jemenschen die Einreise nach Japan zu verweigern. Im Notfall meldet euch: 080-3410-2780 bzw. (ausserhalb von Japan) : +81-80-3410-2780

Es ist trotzdem nicht sinnvoll beim Formular, den jede/r bei Einreise ausfüllen muss, unter „Zweck des Aufenthalts“ den NoG8 Protest anzugeben oder als „Ort des Aufenhalts“ das Camp in Hokkaido. Die Beamten werden dann wahrscheinlich nicht so erfreut sein und versuchen Gründe zu finde einem Schwierigkeiten zu machen, zumindest einen länger bei der Einreise warten zu lassen.
Also übt euch im Spiel als AgentInnen, das heisst begibt euch unter das TouristInnentum, gebt als Ort ein Hotel an, wo ihr angeblich vorhabt zu übernachten und zieht euch dementsprechend an.

mehr Tipps zur Einreise (auf Englisch) findet ihr hier: http://media.sanpal.co.jp/no-g8/?q=en/node/106

also es bleibt dabei: Shut down G8: eine andere Welt ist möglich!
und viel Spass in Japan...

Kommentare

linx

hier ein paar Links, die weiter helfen:

http://a.sanpal.co.jp/no-g8
NoG8 Information (englisch, japanisch)

http://www.jca.apc.org/alt-g8/en
Action-Network (englisch, japanisch)

http://g8camp08.wordpress.com/
Camp in Hokkaido

http://gipfelsoli.org/
Gipfelsoli (mehrsprachig)

http://watch08summit.blogspot.com/ WATCH Rechtshilfe (englisch)

http://g8medianetwork.org/en
(englisch)

http://japan.indymedia.org/

kosten, kosten, kosten

eine reise nach hokkaida kostet sicher mehr als letztes jahr nach heiligedamm, aber auch nicht viel mehr. regular fluege bekommt man schon ab 600 euro. wenn du last minute fliegst, also am flughafen wartest und mit einem leeren platz in einem flug mitfliegst, dann sogar um einiges billiger. nur musst du bei last minute manchmal lange warten, brauchst also zeit und ein gutes buch zum lesen.

das camp in hokkaido ist gegen ein spende, soviel du zahlen kannst.

ps: bitte aufpassen was man schreibt bzw. denkt. menschen aus ostasien haben seit dem kolonialismus mit rassistische kategorien wie "exotisch" zu kaempfen. das solche begriffe gegen den protest verwendet werden ist mehr als bedenklich.

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