erklaerung des plenums zur unterstuetzung der gefangenen vom 4.ten februar publiziert am 9.02.06 auf indymedia barcelona.
in den morgenstunden des 4.ten februar verhaftete die polizei auf brutale weise 9 personen in der strasse sant pere baix 55, vor einem besetzten haus in dem ein fest stattfand. 3 von ihnen wurden in u-haft ueberstellt, 2 mit der anklage versuchten totschlags und einer mit der anklage “atento contra la autoridad” und “inciation al atento” (soviel wie angriff auf die staatsgewalt und anstiftung zum angriff). Nach offiziellen angaben wurde ein beamter der “antidisturbios” (antiterrorspezialeinheit) der “guardia urbana” (UPA) verletzt und liegt im kuenstlichen koma.
bei einer pressekonferenz bestaetigte der buergermeister von barcelona joan clos, dass die verletzung von einem blumentopf verursacht wurde, der aus dem gebaeude, wo das fest stattfand, kam. 16 stunden spaeter widersprach ein polizist dieser erklaerung und behauptete, dass der schlag, welcher den polizisten verletzte, von jedweden wurfobjekt herkommen haette koennen. Am darauffolgenden tag wurde die letzte offizielle version des vorfalls veroeffentlicht die besagt, dass der polizist von leuten, die sich auf der strasse befanden, angegriffen wurde.
welche dieser 3 versionen soll die oeffentlichkeit nun glauben? glauben wir der ersten version der polizei die durch den buergermeister verlautbart wurde, wuerde das heissen, dass keineR der gefangenen fuer den schlag, der den polizisten verletzte, verantwortlich sein kann. darueberhinaus gibt es bis dato noch kein unabhaengiges gutachten ueber die vorfaelle, was soviel heisst dass die version der polizei und gemeinde, die als eigene klaegerin auftritt, die in einem einzigen tag drei verschiede versionen zu den ereignissen vorgebracht hat, nicht geprueft werden kann. die angeklagten weisen die vorwuerfe gaenzlich zurueck.
augenzeugInnen und verhaftete stimmen in ihren aussagen darin ueberein, dass sich eine gruppe von leuten vor der tuer des besagten gebaeudes befanden und mit 3 polizisten dikutierten, als diese ploetzlich damit begannen pruegel auszuteilen, nachdem sie verstaerkung angefordert hatten.
im gleichen moment kam eine gruppe von leuten vor ort, auch sie wurden von der polizei heftig geschlagen, darunter befanden sich auch die beschuldigten.
waehrend dieses vorfalls wurde der beamte verletzt und es kamen spezialeinheiten der “mossos d’esquadra”, die mit der pruegelei und den verhaftungen fortfuhren. hinzuzufuegen ist, dass die polizei mit den ruf “halt oder ich schiesse” schoss waehrend sie die leute verfolgte, die vor den schlaegen zu fluechten versuchten. die verhafteten wurden sowohl waehrend ihrer verhaftung, als auch waehrend ihres aufenthalts in der polizeistation, im krankenhaus und bei den ueberfuehrungen geschlagen und gefoltert. Sie weisen am ganzen koerper mehrfache quetschungen vor, schlagwunden am kopf, blaue augen und zwei von ihnen haben verletzte arme.
die version, die von den medien zur oeffentlichen meinung gemacht werden soll, reduziert die vorfaelle auf einen simplen gewalttaetigen zusammenstoss zwischen polizei und einigen jungen hausbesetzerInnen.
in wirklichkeit geschah das alles vor einem bestimmten hintergrund. es passierte in einem stadtteil, der sich aufgrund der stadtpolitischen interessen der gemeinde in einem verschlechterten zustand befindet. es ist nicht der einzige stadtteil von barcelona dessen bewohnerInnen zu opfern der spekulation und des immobilienmobbings werden, an dem die gemeinde teilhat und komplizin ist. konsequenz dieser gegenueber der sozialen realitaet der stadtteile in jeder hinsicht unsensible politik der gemeinde, ist eine starke ausweitung der polzeilichen taetigkeiten, um jedwede reaktion, die von seiten der betroffenen anreinerInnen gegenueber den enteignungen, dem fehlen von infrastruktur und ausstattung und allgemein gegen die zerstoerung der stadtteile und ihrer sozialen netze, zu unterdruecken. es waere nicht uebertrieben von einer kriminalisierung der armut zu sprechen. die polizeigewalt ist im stadtteil sant pere so deutlich geworden, dass viele anreinerInnen, die den polizeieinsatz von ihren balkonen aus beobachteten, geschockt waren von der brutalitaet mit der gegen die jungen leute, die sich vor der tuer des gebaeudes befanden und solche die zufaelligerweise an dem ort vorbeikamen, vorgegangen wurde. der grossteil dieser zeugInnen traut sich ueber diese geschehnisse nur im privaten zu sprechen, weil sie von dem polizeieinsatz veraengstigt sind und weil seit dem tag des geschehens permanent polizeiwachen vor ihren haustueren abgestellt sind. Am tag nach diesen vorfaellen wurden in der zone mit ungerechtfertigten personenkontrollen weitergemacht und etlichen anreinerInnen sowie personen mit sogenannten “squatter outfit” gedroht. wie zb.: “bevorzugst du es, dass ich dich hier toete oder soll ich es in der zona franca machen. (zona franca = industriezone in flughafennaehe). weiters aggressionen, wie faustschlaege, fusstritte gegen die knoechel und auch ein fall, in dem dem opfer die schuhe ausgezogen und ihm/ihr gedroht wurde waehrend ihm/ihr die polizeibeamten ueber seine/ihre nackten fuesse traten. Um diesen hass mit dem die polizistInnen handelten zu rechtfertigen, bemerkten sie gegenueber ihren opfern, dass ihr verletzter kollege gestorben sei.
noch eine bemerkung zur “narko peña acultural” ( * das ist ein sarkastisches wortspiel: anarkopeña cultural ist die gruppe die das besetzte haus “el teatro” in sant pere mes baix 55 nutzt, narko steht fuer den drogenhandel, peña bedeutet leute und akultural ist wohl klar), fuer die gemeinde ist es weitaus leichter ein paar junge leute mit suedamerikanischen paessen und squatteroutfit gefangen zu nehmen als ihre verantwortung gegenueber einem gebaeude, das in ihrem eigenen besitz ist, zu rechtfertigen, dessen bewohnerInnen nutzten es fuer mafioese praktiken und es waere sehr schwer glauben zu machen, dass die polzei diese ignorieren wuerde. (mehr infos auf spanisch:
www.liberinfo.net//modules.php)
das alles ist kein zufall. die erhoehung der gewalt, die durch die verschiedenen polizeikoerper seit geraumer zeit vorangetrieben wird, besonders seit der verabschiedung der gesetze des “civismo” , der nulltoleranzpolitik und der schliesslich erfolgten ausweitung der polizeieinheit “mossos d’esquadra” bekommen bestimmte kollektive und bestimmte stadtteile, in denen die interessen der gemeinde mit der sozialen realitaet der leute zusammenstossen auf besonders deutliche art und weise zu spueren.
wir fordern
freiheit ohne strafe fuer die gefangenen personen
das ende der misshandlungen und der folter
und dass sie uns unsere stadtteile zurueckgeben.
kundgebung: Pza Sant Jaume, Samstag 11.02.06 um 12 uhr
unterstuetzung in form von geldspenden ist dringend noetig:
La caixa 2100-3002-01-2105267123
IBAN: ES66
BIC/SWIFT: CAIXESBBXXX