Ich habe hier einige Informationen zusammengetragen, jedoch ohne jeglichen Anspruch, einen umfassenden Überblick zu liefern. Es ist vielmehr ein kleiner Einblick in den rassistischen Alltag und die Diskriminierung von Sinti und Roma. In den nächsten Tagen und Wochen finden darüber hinaus einige interessante Veranstaltungen statt. Weitere Termine und Informationen sind den diversen Links zu entnehmen.
Inhalt:
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Zum 10. Jahrestag des blutigen Attentats in Oberwart
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Zur Theorie vom Einzeltäter
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empfehlenswerte Termine
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Zur beginnenden »Dekade der Roma-Integration« in Osteuropa
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Zur Situation der Roma in Europa
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Links zu Informationen von/über Roma
Zum 10. Jahrestag des blutigen Attentats in Oberwart
Am 4. Februar 2005
jährte sich zum 10. mal der rassistische Mordanschlag von Oberwart, bei dem vier Menschen den Tod fanden. Anlässlich dieses traurigen Jubiläums fanden in Oberwart zahlreiche Veranstaltungen in Gedenken an die Ermordeten statt, bei denen die Verfolgung der Roma insgesamt thematisiert wurde. Aufgrund des großem Interesses werden die Roma | Wochen | Oberwart | 2005 um zwei Wochen verlängert.
--> weiter lesen auf no-racism.net (
Bilder)
Der Bericht schließt mit den Worten:
Jetzt, 10 Jahre nachdem eine Serie von Brief- und Rohrbomben Österreich erschütterte und vier Menschen das Leben kostete, ist der rassistische Alltag in Österreich, in Europa mehr und mehr via Gesetze institutionalisiert worden. Jetzt sind es die "AusländerInnen", für die Sondergesetze erlassen, die interniert und deportiert werden. Und deren Leben manchmal weniger zählt, als die gewaltsam durchgeführte Zwangsmaßnahme. In Oberwart hat sich in den vergangenen zehn Jahren einiges bewegt, wurden einige alte Gräben überwunden. Und es kam im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten zu zahlreichen Begegnungen. Während die Gedenkveranstaltungen in den nächsten Tagen und Wochen weiter gehen, bleibt die Zukunft dieser Begegnungen offen.
Zur Theorie vom Einzeltäter
Nur wenige Stunden, nachdem die Leichen der Ermordeten vom Attentat in Oberwart gefunden wurden, durchsuchte die Exekutive die Häuser der Verstorbenen. Es wurde über "Rivalitäten unter Roma" spekuliert und von Anfang an der rassistische Gehalt des Anschlages in Frage gestellt. Stattdessen wurde ein Einzeltäter konstruiert. Offiziell gilt, dass die Tat von einem inzwischen rechtskräftig verurteilten Einzeltäter Franz Fuchs begangenen wurde, der vor einigen Jahren im Gefängnis Selbstmord beging. Doch gibt es Stimmen, die diese Theorie in Frage stellen.
So schrieb das
TATblatt Nr. +98 vom 22. Mai 1998:
"Der Bombenterror der Bajuwarischen Befreiungsarmee, der bereits vier Todesopfer und zahlreiche Verletzte forderte, ist gegenwärtig und zeigt diese Bereitschaft sehr deutlich. Zwar wird kolportiert, bei dem mutmaßlichen Bombenbauer Franz Fuchs handle es sich um einen Einzeltäter, doch ist diese Theorie sehr unglaubwürdig. Der 'Volkstumskampf' an den Grenzen Österreichs - implizit des 'großdeutschen Reiches' - ist Teil jener Bestrebungen, das Konstrukt einer 'deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft' zu bilden bzw. zu festigen."
Im Buch
7 Tage im Februar, das schon vor der Verhaftung von Franz Fuchs geschrieben wurde, entwickelt Robert Klement ausgehend von der "Einzeltäter-These"
"'gestützt auf Vermutungen der Fahnder und auf Medienberichte' mit der Figur von Anton Ehm eine psychopathische Persönlichkeit, die als fiktive Figur der wiederum aus Medienberichten konstruierten Persönlichkeit des mutmaßlichen Täters erschreckend ähnlich ist. Als literarische Figur jedoch spiegelt Anton Ehm das Bild eines teuflisch bösen Irren, der sich als 'Held' gut in einem zweitklassigen Science-Fiction-Roman bewähren könnte. Die angebotenen Erklärungsmuster für das Verhalten des Täters entsprechen trivialpsychologischen Einsichten. 'So ist das Bild eines psychopathischen Einzeltäters entstanden, der geprägt ist durch überdurchschnittliche Intelligenz, ein verpfuschtes Leben, das Streben nach technischem Perfektionismus, ein hohes Geltungsbedürfnis und durch sein völlig zurückgezogenes, einsames Leben.'"
Später wurde dann mit dem "Briefbomber Franz Fuchs" ein Einzeltäter gefunden und verurteilt.
Richard Meisel schreibt dazu in
Rechtsextremismus, die Neue Rechte und aktuelle rechtsextreme Strömungen (pdf) mit Stand vom Februar 2004:
"Franz Fuchs wird im Verlauf seiner Gerichtsverhandlung 1999 als Einzeltäter und unpolitischer Sonderling eingestuft. Für die Neonaziszene ist er zum Helden geworden und gilt als Symbolfigur gewaltbereiter Ausländerfeindlichkeit. Im darauf folgenden Jahr wählt er in seiner Gefängniszelle den Freitod."
Nach seinem Selbstmord stellten sich offiziell keine Fragen mehr. Doch wie kann es sein, dass ein Mann ein Land dermaßem "in Angst und Schrecken" versetzt und so zahlreiche gesetzliche Verschärfungen durch die Regierung (damlas SPÖVP) erleichtert? Jetzt, 10 Jahre nach dem Attentat tauchte nach einem Bericht in der ORF-Sendung
Thema vom 31.1.2005 wieder Zweifel an der Einzeltätertheorie auf:
"Das Verbrechen gilt bis heute als der folgenschwerste politisch motivierte Anschlag der Zweiten Republik. Als Urheber des Attentats wurde vier Jahre später der Briefbomben-Bauer Franz Fuchs verurteilt - er erhängte sich später in seiner Zelle. Rudolf Huber war damals als leitender Ermittler als einer der ersten am Tatort. Der Kriminalist, der heute als Referent der Polizeibehörden in einem westlichen Bundesland tätig ist, hat in den letzten zehn Jahren keine Ruhe mehr gefunden. Trotz der Verurteilung von Franz Fuchs plagen Rudolf Huber seit seinen Ermittlungen in Oberwart Zweifel: war das die ganze Wahrheit? War Franz Fuchs tatsächlich jener Einzeltäter, als der er verurteilt wurde? Rudolf Huber ist anderer Meinung. Aus seinen damaligen Ermittlungen in der Sonderkommission Oberwart ergeben sich viele neue Fragen."
Ex-Chefinspektor Robert Sturm, der während der gesamten Ermittlungen für die Medienarbeit zuständig war, bei dem damals alle Ermittlungsfäden zusammenliefen, widerlegt
laut ORF die Behauptungen des Exekutivbeamten Rudolf Huber.
Auch wenn es zu keinen weiteren Ermittlungen kommen wird, wenn das Attentat von Oberwart möglicherweise nie restlos geklärt wird (wie der angebliche Selbstmord von Franz Fuchs), muss darauf hingewiesen werden, dass es in Österreich bzw. Europa einen Rassismus gibt, der Übergriffe wie das Attentat von Oberwart ermöglicht. Weder die Anerkennung der Roma als Volksgruppe in Österreich, noch verschiedene Initiativen vermochten dies bisher zu ändern. Und die Österreichische Bundesregierung verweigerte darüber hinaus im
Gedenkjahr 2005 den VeranstalterInnen der Roma | Wochen | Oberwart | 2005 jegliche finanzielle Unterstützung.
empfehlenswerte Termine:
Noch
bis 16. Feb 2005 ist die Ausstellung "Ein Güterweg und eine Fracht" im Offenen Haus Oberwart, Burgenland zu sehen. Sie zeigt geschichtliche Aspekte der Oberwarter Roma unter Berücksichtigung des Täter-Zuschauer-Opfer-Verhältnisses auf.
Dienstag 8. Feb 2005, 19.30 Uhr im Aktionsradius Augarten, 1200 Wien, Gaußplatz 11 (Eintritt 5 Euro): Lesetheater „DIE ZIGEUNERPLAGE“, mit Christoph Krutzler und Peter Wagner. Eine aufregende Lesetheaterpremiere, deren Stoff u.a. das Protokoll einer Bürgermeisterkonferenz zur Lösung der "Zigeunerplage" ist – die vier Jahre "vor Hitler" stattfand.
Nachspiel: „Der lasterhafte Herr Krutzler spricht über sein Kemeten“. Video, Uraufführung.
Info:
aktionsradius-augarten.at
11.+12.+18.+19. Feb 2005 (jew. Fr+Sa) im Offenen Haus Oberwart, Burgenland: Gemeinsame Aufführung der Theaterstücke "Begegnung zwischen einem Engel und einem Zigeuner" (von Stefan Horvath) zur Romageschichte der letzten 70 Jahre in Oberwart und "Gatsch" (von Clemens Berger)
siehe auch Programm der
Roma | Wochen | Oberwart | 2005
Im
April 2005 wird im Amerlinghaus in Wien das Stück "Roma zurück nach Indien" uraufgeführt.
Infos demnächst auf
amerlinghaus.at
ständige Ausstellung: Beim Kulturverein Österreichischer Roma gibt es eine ständige Ausstellung. Eine interessante Dokumentation vom Beginn der Wanderung der Roma nach Europa und in den heutigen österreichischen Raum, die Diskriminierung und Verfolgung der Volksgruppe mit besonderem Schwerpunkt in der NS-Zeit, bis zum Neubeginn nach 1945.
Die Auststellung ist zu sehen im Dokumentations- und Informationszentrum, Devrientgasse 1, A-1190 Wien, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 08:00 bis 16:00 Uhr (
weitere Infos)
Zur beginnenden »Dekade der Roma-Integration« in Osteuropa
In den kommenden zehn Jahren wollen acht osteuropäische Staaten, die Weltbank und die EU die Integration der Roma befördern und Ordnung schaffen in Europa. Doch auch 60 Jahre nach dem deutschen Völkermord an den Roma und Sinti werden vor allem die Opfer zum Problem erklärt. Eine Kampagne gegen den Rassismus gegen Roma ist nicht geplant.
Die
Jungle World (Nummer 5 vom 2. Feb 2005) hat fünf interessante Artikel zum Thema veröffentlicht:
Europäische Komplizenschaft 500 Jahre Diskriminierung und Verfolgung der Sinti und Roma in Europa.
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Roma à la carte Mit der heute beginnenden Dekade der Roma-Integration wollen EU und Weltbank die Assimilation osteuropäischer Roma befördern.
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Ausgrenzende Integration Die Dekade erklärt die Roma zum Problem
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»Wir wollen keine Ghetto-Schulen« In Bulgarien leben Roma meist in abgetrennten Vierteln unter sich. Die Mehrheitsgesellschaft lehnt das Zusammenleben ab. Ein Interview mit daniela mihailova von der NGO »Romani Baht«
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Die Roma-Rolle Ethnisierung und Selbstethnisierung
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Zur Situation der Roma in Europa
Im November 2004 veröffentlichte die Europäische Kommission den Bericht
Die Situation der Roma in der erweiterten Europäischen Union. Dieser Bericht ist als pdf-File auf
deutsch,
englisch,
französisch und
romanes im Internet erhältlich. Er entsand in Zusammenarbeit mit dem
European Roma Rigthts Center (ERRC) und anderen Organisationen, die Berichte über 11 Länder zusammenstellte.
"Nach einigen Abschnitten über die Geschichte der Roma in Europa und dem politischen Kontext wird im Bericht vor allem die Situation der Roma in verschiedenen, für die gesellschaftliche Integration relevanten Bereichen untersucht. Dabei werden einige länderübergreifende Themen wie der soziale Schutz, das Fehlen von Personaldokumenten, geschlechtsspezifische und die Fahrenden betreffende Fragen behandelt. Mit der Studie soll eine allen oder den meisten Mitgliedstaaten und Kandidatenländern gemeinsame Situation aufgezeigt werden. Zur Verdeutlichung wird hierbei auch auf Beispiele in den Mitgliedstaaten oder Kandidatenländern verwiesen, wodurch aber nicht unbedingt die einzelnen Ländern üblichen Vorgehensweisen angeprangert werden sollen."
Links zu Informationen von/über Roma
aus Österreich:
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Roma | Wochen | Oberwart | 2005 (de|romanes)
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Verein Roma, Oberwart (de)
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Romano Centro - Verein für Roma in Wien (de|en|romanes)
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Kulturverein Österreichischer Roma (de)
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Romani Projekt am Institut für Sprachwissenschaften der Universität Graz (de|en) mit zahlreichen Projekten und Datenbanken (de|romanes)
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Infos auf no-racism.net
international:
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The Patrin Web Journal: Romani Culture and History (en)
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Rom News Network (de|en)
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European Roma Rigthts Center (mehrsprachig)
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Union Romani (es|en|romanes)
- Gypsy Lore Society - Information on Gypsy & Traveler Cultures (en)
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Roma in der Tschechischen Republik (cz|en|de|fr)
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Sammlung von Informationen zum Mord an über 500.000 Sinti und Roma in Konzentrationslagern auf shoah.de (de)