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Indymedia in Wien

In Wien tut sich einiges rund um Indymedia. Eine verstärkte Regionalisierung bei at.indymedia.org führt zu unregelmäßigen Treffen, das nächste am Do, 9. Dez 2004. Außerdem wird bald ein neues IMC eine eigene Webseite eröffnen: Vienna Indymedia. Davor wird diskutiert: Am Mi, 15. Dez. 2004 im Que(e)r-Beisl im EKH.

Der Vollständigkeit halber sollte noch erwähnt werden, dass das globale Indymedia-Netzwerk kürzlich fünf Jahre alt wurde.


Inhalt:
- Indymedia Treffen in Wien
- Diskussionsveranstaltung
- Open Publishing und Zensur
- 5 Jahre Indymedia




Indymedia Treffen in Wien

Nach dem Neustart Prozess von at.indymedia.org, der sich über Frühjahr/Sommer 2004 erstreckte, kam es zu einigen Veränderungen, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Dadurch, dass sich jeweils mehrere Leute aus verschiedenen Städten aktiv beteiligen, kommt es neben den - im vergangenen Jahr sehr zahlreichen - bundesweiten Treffen nun unregelmäßig zu lokalen Treffen in Salzburg, Linz und Wien.

So fanden im Rahmen des Neustarts einige Treffen statt. Und zu zwei weiteren Treffen, seit die Seite am 13. August 2004 wieder online gegangen ist. Das nächste findet am Donnerstag, 9. Dezember 2004, um 19:00 Uhr in der Arena (Baumgasse 80, 1030 Wien) statt.

Mehr zu den Treffen hier.




Diskussionsveranstaltung

Am Mittwoch, 15. Dezember 2004 findet im Rahmen des Que(e)r Beisls im EKH eine Diskussionsveranstaltung statt. Das neu gegründete vienna.indymedia.org, dass 2005 online gehen will, stellt dabei Zensur in einer unfreien Gesellschaft zur Diskussion: Was ist Free Speech?

"Sollen linke Medien ihren Nutzer/innen Zugangsbeschränkungen auferlegen? Sind "positive Diskriminierung" und "free speech" Widerspruch oder wechselseitige Bedingung? Was ist "Zensur"? Kann davon bei linken Medien überhaupt geredet werden? Ist "Zensur"freiheit ein Wert für sich oder ein "liberales" Konstrukt? Führt "Zensur"freiheit auch automatisch zu einer freieren Gesellschaft oder täuscht sie diese (unter Ausblendung des sozialen Hintergrunds der Nutzer/innen) nur vor? Inwieweit sind Herausgeber/innen oder Macher/innen für ihre Nutzer/innen verantwortlich? Aktivist/innen von verschiedenen linken Medienprojekten geben über ihren Zugang zu dieser Problematik Auskunft."

Info zur Diskussionsveranstaltung | flyer (pdf) | Que(e)r Beisl | EKH




Open Publishing und Zensur

In der Diskussion rund um at.indymedia entstanden einige Texte, die sich mit der Frage von Zensur und Open Publishing auseinandersetzen. Eine Diskussionsveranstaltung im Rahmen eines bundesweiten Treffens führte in der Folge zum Neustart von at.indymedia.org. Zentral war dabei das Aufbrechen der starren Rolle von MedienkonsumentInnen, die gleichzeitig MedienmacherInnen sind und ihr Medium selbst aktiv mitgestalten.

"Open Publishing geht davon aus, dass die UserInnen geistreich und kreativ sind, dass sie SchreiberInnen, RedakteurInnen, VerteilerInnen und vielleicht sogar ProgrammierInnen sein wollen. Dabei wird den LeserInnen unterstellt, dass sie Müll von guten Beiträgen unterscheiden können und fähig sind, sich selbst ein Urteil zu bilden, sowie selbst zu entscheiden, welche Informationen für sie jetzt bestätigt sind und bei welchen es sich um Gerüchte handelt. In den Prozess der Meinungsbildung kann mit Kommentaren, Ergänzungen, eigenen Berichten usw eingegriffen werden. Information ist immer subjektiv und die Entscheidung, ob eine Information wert ist, gelesen zu werden oder nicht, bleibt den UserInnen überlassen.

Aus dem Newswire werden nur doppelte oder kommerzielle Postings, Spam oder Beiträge, die gegen die Editorial Policy (Redaktionskriterien) verstoßen, entfernt. Diese bleiben jedoch weiterhin im Bereich der versteckten Artikel einsehbar. Der Newswire wird von den ModeratorInnen betreut. Da nicht immer alle Beiträge von den ModeratorInnen gelesen werden (können), ist es notwendig, dass sich die UserInnen an diesem Prozess beteiligen und - u.a. über Kommentare oder auf der Mailingliste - auf Verstöe gegen die Editorial Policy hinweisen. Die UserInnen können redaktionelle Entscheidungen von anderen einsehen oder sich selbst an eben diesen beteiligen."



Im letzgenannten Punkt unterscheiden sich die Herangehensweisen von at.indymedia.org und dem im Entstehen begriffenen vienna.indymedia.org. Während einerseits (siehe oben) die Entscheidungen möglichst transparent sein sollen, soll im anderen Fall die Nachvollziehbarkeit von redaktionellen Entscheidungen merklich eingeschränkt werden. Es gilt laut Moderationskriterien "eine, als politisch verstandene, emanzipatorische Nutzung von Medien (zu) fördern." Eine Struktur soll "den unterschiedlichen Bedürfnissen von verschiedensten Menschen und politischen Ansätzen möglichst nahekommen" und "zur Benutzbarkeit der Seite beitragen". Dazu wird es eine Startseite und eine eigene Open Posting Seite geben - ähnlich wie bei de.indymedia.org. Kommentare sollen danach beurteilt werden, ob sie eine inhaltliche Ergänzung darstellen.

Grundsätzlich gilt: "Erfüllt ein Beitrag oder eine Ergänzung eine oder mehrere der folgenden Ausschlusskriterien, werden sie ganz von der Open Posting Seite entfernt und in ein spezielles 'Müllarchiv' abgelegt, da wir solchen Beiträgen kein Forum bieten und die Lesbarkeit der Seite gewährleisten wollen. (...) Das 'Müllarchiv' ist nicht öffentlich einsehbar. Der Transparenz halber wird dieses Archiv jedoch auf Anfrage per Mail zugeschickt."

Vienna Indymedia geht es bei diesem Vorgehen vor allem um positive Diskriminierung. Zensur als solches wird in Frage gestellt: "Kann davon bei linken Medien überhaupt geredet werden?"


In der Diskussion um den Neustartprozess von at.indymedia.org wurden noch andere Aspekte zur Diskussion gestellt, die nicht aus dem Auge verloren werden sollten.

"Es gibt den Vorschlag auf ein System, nach dem Vorbild von de.Indymedia umzusteigen. Dies bedeutet, dass Artikel, die keine Berichterstattung im Sinne der Editorial Policy darstellen nicht auf der Startseite, sondern nur auf einer Open Publishing Seite erscheinen. Damit soll Inhalten wie z.B. selbstgeschriebenen Berichten, Radiobeitrgen, Videos und Fotos verstärkte Aufmerksamkeit verschafft werden. Einige von uns lehnen die - an uns gestellte - Forderung nach einer Vorselektion durch ModeratorInnen als Antwort auf die Probleme ab. Dies wäre eine Verschrfung der Zensur die keine Garantie gibt, das Erscheinen von diskriminierenden und/oder diffamierenden Texten zu verhindern, und auerdem mit dem Open Publishing Konzept als solches in Konflikt steht."


Angesichts dieser unterschiedlichen Herangehensweisen und der Teilnahme von AktivistInnen weiterer unabhängiger, nichtkommerzieller Medien kann eine spannende Diskussion erwartet werden.

Als Lektüre empfohlen:

- Seite zur Diskussionsveranstaltung
- Texte zum Neustart von at.indymedia.org
- Diskussion in der Schweiz: Indymedia einfrieren?
- Feature: Freitag der 13.08.04: at.indymedia.org goes online!
- Indy-Flötenspiellager in Bregenz voller Erfolg?




5 Jahre Indymedia

Bei all diesen lokalen Diskussionen und Auseinandersetzungen sollte nicht vergessen werden zu erwähnen, dass das Indymedia Netzwerk nicht nur wächst, sondern auch älter wird. Vor 5 Jahren, im November 1999, ging die erste Indymedia Seite in Betrieb.

Features zum Geburtstag gibts u.a bei de.indymedia.org und www.indymedia.org.
 
 

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