G8: bericht von der großdemo

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2.6.2007., 21:35

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((d))

heute fand in rostock die spektrumsübergreifende großdemo gegen den diese woche beginnenden G8-gipfel statt. erwartet wurden bis zu 100.000 leute. die schätzungen über die zahl der teilnehmerInnen gehen heute weit auseinander. von 25.000 bis 80.000 ist alles dabei, meiner schätzung nach warens wohl deutlich über 50.000 die heute bei den beiden demomärschen und der abschlusskundgebung teilnahmen.

nun aber erstmal von anfang an...

als wir vormittags vom convergence center in evershagen losgingen machte das gerücht die runde, nazibusse wären von ihrer route nach schwerin abgewichen um zur migrantInnen-demo zu fahren. also gings erstmal richtung schutower kreuz, wo die demo loslaufen sollte. auf dem weg dorthin stellte sich heraus, dass die nazis von der polizei an der weiterfahrt gehindert wurden und umgekehrt sind. also sind wir gleich weiter zum hauptbahnhof. dorthin mobilisierten die meisten linksradikalen organisationen und bündnisse. ohne vorkontrollen und überhaupt ohne viel polizeipräsenz kamen wir am sammelpunkt an und suchten uns erstmal einen platz in der loslaufbereiten demo. von anfang an war es unmöglich die ganze demo zu überblicken, so viele leute waren am start. schon beim losgehen gingen teile der demo in ketten. da entlang der demoroute sogut wie gar keine polizei zu sehen war löste sich die stimmung nach ein paar kilometern langsam. während die stimmung um die soundmobile zumeist recht kraftvoll war, lahmte der rest der demo meiner meinung nach ein bisschen. die stimmung war aber gut und durchgehend friedlich. die vielen verbarrikadierten schaufenster wirkten fehl am platz.

so verging der marsch auch recht schnell und wir erreichten den stadthafen wo die abschlusskundgebung und ein kozert stattfinden sollten. kurz nachdem der 'make capitalism history' block angekommen war gings plötzlich rund. ohne ersichtlichen anlass marschierten eine oder mehrer einsatzhundertschaften der polizei auf und gingen direkt dazu über den vorderen teil der demo zu attackieren. dieser antwortete mit steinen und flaschen. die schnell gebildeten ketten hielten den völlig ausrastenden polizisten kaum stand, also mussten die leute zurückweichen. verhaftungen konnte ich aber zu diesem zeitpunkt noch keine beobachten da die polizei offensichtlich nur darauf aus war die leute einzuschüchtern.
nach und nach flüchteten die leute ins hafengelände. einzelne gruppen polizei bewegten sich bis weit in die menge hinein was teilweise zu panikartigen und gefährlichen situationen führte. offensichtlich wahllos wurde auf leute eingeprügelt die sich nicht schnell genug in sicherheit bringen konnten und erst mit dem rückzug der bullen ordnete sich die situation ein wenig. hier und da wurdfen verletzte von sanis verfolgt und die auseinandergerissenen bezugsgruppen probierten wieder zueinanderzufinden.

ebenso überaschend wie das aggressive auftreten der polizei war die fast schon gleichgültig wirkende haltung der demoorganisation. während auf der einen seite des hafens leute verhaftet und verprügelt wurden ratterte auf der bühne gegenüber das vorgesehene programm ab. höchstens unterbrochen von halbherzigen aufrufen an die demonstrantInnen sich doch nicht provozieren zu lassen... während von musik und reden aufgrund des tief fliegenden polizeihelikopters nicht mehr viel zu hören war ging die polizei erneut zum angriff über. diesmal war die gegenwehr heftiger und organisierter und kurzzeitig schien es als ob sich die polizei zurückziehen musste. es dauerte dann auch nicht lange bis das erste auto in vollbrand stand und barrikaden errichtet wurden. an den rändern der demo kam es permanent zu kleineren scharmüzeln. wie ich mir sagen habe lassen waren an den auseinandersetzungen hauptsätzlich die für ihre brutalität bekannten berliner einsatzhunderschaften und ähnliche außwertige einheiten beteiligt.

die demoleitung probierte immer noch verzweifelt gute stimmung zu verbreiten, was allerdings nur bedingt gelang. eine der auftretenden bands hörte sogar zu spielen auf und rief die leute dazu auf erstmal dafür zu sorgen, dass die polizei verschwinde. diese ansage wurde sogleich von einem mitglied der demoleitung widerrufen mit dem hinweis, dass die musik gleich weiterginge und alles in ordnung sei.

die auseinandersetzungen gingen unterdessen unvermidert hin und her. polizei marschierte auf und ab, fegte hier und dort mal in die demo und wieder raus. die anrückende feuerwehr konnte schlussendlich nur mit wasserwerfern und räumpanzern zu ihrem einsatzort kommen. irgendwann zu dieser zeit setzte die polizei auch tränengas granaten ein, welche aber aufgrund des starken windes und der offenen fläche nur wenig wirkung zeigten. effektiver dürften da schon die einsätze mit reizgas gewesen sein, ettliche menschen mussten in dieser hinsicht medizinisch versorgt werden.

nach ein paar stunden zäher auseinandersetzungen waren die meisten leute so müde, dass sich größere greiftrupps der bullen nahezu frei in der kundgebung bewegen konnten. viele leute beschlossen daher zurück zu den camps zu gehen, um sich auf die kommenden tage der blockaden vorzubereiten. die vermittlung politischer inhalte wurde heute durch den polizeieinsatz jedenfalls wirksam verhindert.

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